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Förderung auch nach Corona dringend nötig

von Florian Riesterer

Zwei Milliarden Euro hat die Bundesregierung in das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ gesteckt. Während über das Familienministerium eine Milliarde davon in frühkindliche Bildung, Hilfe im Alltag sowie Sport-, Freizeit- und Ferienaktivitäten für diese Altersgruppe fließt, geht die andere Hälfte des Gelds an Initiativen wie jener vom Haus der Diakonie Neustadt, die Schüler mit coronabedingten Lernrückständen fördern wollen.

Das Geld ist gut angelegt, schließlich profitieren von der Förderung Kinder, die es nötig haben; von Eltern, die ihre Kinder aus beruflichen Gründen oder mangels Deutschkenntnissen selbst nicht unterstützen können – oder nicht das Geld haben, sich teure Nachhilfelehrerinnen oder -lehrer zu leisten. Mehr als eine Milliarde Euro geben Eltern pro Jahr Statistiken zufolge an kommerzieller und privater Nachhilfe aus – wovon wiederum nur ein Zehntel aller Schüler profitieren. Ein Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem.

Auch auf Initiative der Schulsozialarbeit sowie der Sozial- und Lebensberatung der Diakonie Neustadt kommen jetzt Schüler zum Zuge, die sonst durchs Raster fallen würden. Schöner Nebeneffekt: Weil Letztere im gleichen Haus sitzt, profitieren Eltern und ihre Kinder nicht nur bei Sorgen mit Mathe- oder Deutschaufgaben.

Die Reaktion der Kinder, die froh über die zeitliche Zuwendung sind, zeigt, was Nachhilfe vermag, aber auch, wie sehr sie unter dem Lockdown gelitten haben. Lehrer waren während der Schulschließung, wenn überhaupt, am Bildschirm präsent, Schulstoff wurde auf Arbeitsblättern angeeignet. Und unter dem viel zitierten Brennglas Corona zeigte sich, dass Schulen nicht nur in punkto Digitalisierung großen Nachholbedarf haben, sondern auch, was ihr Personal betrifft. Deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer für kleinere Klassen und weniger Unterrichtsausfall, das wäre wünschenswert, ist aber strukturell auf die Schnelle nicht zu lösen.

Solchermaßen fühlen sich viele Schüler und ja, auch Lehrer, nicht erst seit Corona abgehängt. Dass zu Schulen auch nicht nutzbare Sportplätze, undichte Dächer und fehlender Brandschutz gehören, ist eine andere Baustelle. Es trägt aber zum Image manch künftiger Arbeitsplätze und des Lernumfelds bei. Zu lange wurden Sanierungen aufgeschoben.

Aus diesem Grund sollte dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ das Programm „Schule holt auf“ folgen. Hier könnte der Staat zeigen, dass es ihm Ernst ist, Kinder und Jugendliche zu fördern – und sei es nur, um dem Kollaps des Rentensystems entgegenzuwirken. „Kinder“, so sagt Psychologin Christina Weisbrod vom Haus der Diakonie in Neustadt treffend, „wollen die Welt erobern, sind von sich aus neugierig.“ Von diesem Punkt aus gestartet, kann Lernen Spaß machen – wenn die Schule dies nicht ausbremst.

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Florian Riesterer
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