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Fast jeder dritte Protestant beteiligt sich

Wahlbeteiligung: Dekanat Bad Bergzabern leuchtet an der Spitze – Schlusslicht glimmt in Kaiserslautern

Die Evangelische Kirche der Pfalz hat ihren Spitzenplatz bei der Beteiligung an Kirchenwahlen verteidigt. Nach dem amtlichen Endergebnis haben 32 Prozent der Protestanten in der Pfalz und der Saarpfalz am ersten Advent ihre Presbyterien neu gewählt. Damit stieg die Beteiligung gegenüber den Wahlen im Jahr 2014 um 0,8 Prozentpunkte.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die Landeskirche nur die Briefwahl angeboten. Wahllokale gab es erstmals keine. Insgesamt waren 440880 wahlberechtigte Mitglieder aufgerufen, ihre Gemeindeleitungen neu zu wählen, darunter 27933 Erstwähler ab 14 Jahren. Das Ergebnis zeige erneut die hohe Verbundenheit der pfälzischen und saarpfälzischen Protestanten mit ihrer Kirche, sagte Kirchenpräsident Schad. Nach wie vor seien die Kirchengemeinden der Wurzelgrund protestantischer Identität. Dabei sei Beziehungsarbeit in Zeiten von Corona nicht immer einfach gewesen. Mit enormer Kreativität hätten die Protestanten in der Krise Präsenz gezeigt, theologisch und seelsorgerlich Orientierung gegeben und auf vielfache Weise Kontakte gepflegt. Gerade in einer Situation, in der selbstverständliche Traditionen wegbrächen, zeige diese Presbyteriumswahl eine neue Aufmerksamkeit für Religion.

Die höchste Wahlbeteiligung erreichte die Gemeinde Höningen im Dekanat Bad Dürkheim-Grünstadt mit 78,4 Prozent, am niedrigsten war sie in der Ludwigshafener Innenstadtgemeinde Jona mit 9,3 Prozent. Unter den 15 pfälzischen Kirchenbezirken war die Wahlbeteiligung mit 45,1 Prozent im Bezirk Bad Bergzabern am höchsten, gefolgt von den Bezirken Donnersberg und Kusel mit 41,5 und 41,3 Prozent. Am niedrigsten war die Wahlbeteiligung im Kirchenbezirk Kaiserslautern mit 19,5 Prozent, noch hinter dem Kirchenbezirk Ludwigshafen mit 21,5 Prozent.

Insgesamt kandidierten 3972 Personen für 2637 Plätze. In drei der 395 Kirchengemeinden der Landeskirche war es nicht gelungen, ausreichend Kandidaten zu finden. Gewählt werden konnte nur, wenn mindestens ein Kandidat mehr zur Verfügung stand, als Sitze zu vergeben waren. In den Gemeinden Quirnheim im Kirchenbezirk Bad Dürkheim-Grünstadt sowie in Gauersheim und Ilbesheim im Kirchenbezirk Donnersberg werde ein geschäftsführendes Presbyterium bestellt und gegebenenfalls eine Nachwahl angeordnet, teilte die Landeskirche mit. KB

Einfacher und erfreulicher als zunächst gedacht

Dekane mit Kandidaten und Wahlbeteiligung zufrieden – Auch die Gemeindegrößen spielen eine Rolle

Die Corona-Krise hat der Beteiligung an den Presbyteriumswahlen nicht geschadet. Allerdings hätten die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten einen höheren Einsatz in den Gemeinden mit sich gebracht, sagte der Germersheimer Dekan Claus Müller. „Uns haben die Aktionen gefehlt, mit denen wir auf die Wahl hätten aufmerksam machen können, und uns haben die persönlichen Gespräche gefehlt, um Kandidaten zu werben.“

Dass es dennoch gelungen sei, die Wahlbeteiligung zu erhöhen und ausreichend Kandidaten zu finden, sei sehr erfreulich, sagte der künftige Oberkirchenrat. Möglicherweise habe die Krise in manchen Orten sogar zur Mobilisierung von Wählern beigetragen. Die Menschen hätten gemerkt, dass sich die Kirche auch in schwierigen Situationen darum bemühe, sie zu erreichen und Angebote zu machen. Die persönliche Ansprache von Nachbarn und Freunden vor der Wahl habe gefehlt, sagte auch die Ludwigshafener Dekanin Barbara Kohlstruck. Es reiche nicht, den Menschen die Briefwahlunterlagen einfach zuzuschicken. In Ludwigshafen sei die Fluktuation der Bewohner so hoch, dass etwa 150 Wahlbriefe von der Post wieder zurückkamen, weil die Adressaten verzogen seien. Auch der Zweibrücker Dekan Peter Butz beklagte, dass wegen der Pandemie viele Veranstaltungen nicht stattfinden konnten. Dennoch sei die Kandidatensuche einfacher und erfreulicher verlaufen als zunächst befürchtet. Er habe den Eindruck, dass in nicht wenigen Gemeinden ein Generationenwechsel stattgefunden habe. So hätten sich doch immer wieder neue und jüngere Kandidaten zur Wahl gestellt. „Ein guter Mix und eine gute Basis“, sagte Peter Butz.

Im größten Kirchenbezirk zeigte sich Dekan Matthias Schwarz mit einer Wahlbeteiligung von 38,9 Prozent zufrieden. Allerdings sei an Alsenz und Lauter auch ein Gefälle zwischen den großen und kleinen Gemeinden zu erkennen. „Je größer, je anonymer“, gelte in der Regel nach wie vor. „Im Nachhinein war die allgemeine Briefwahl aber kein Schaden“, sagte Schwarz. Im Vergleich mit anderen Landeskirchen sei es „ein tolles Ergebnis und trotz Corona eine Verbesserung“. koc/mez

 

Presbyteriumswahlen nach Kirchenbezirken
DekanatWahbeteiligung in %Veränderung in %
Bad Bergzabern45,1+2,8
Donnersberg41,5+1,7
Kusel41,3-0,2
Alsenz und Lauter38,9-0,1
Bad Dürkheim-Grünstadt38,1+2,1
Landau33,3+0,7
Germersheim33,1+0,7
Neustadt32,6+2,2
Frankenthal30,9+0,9
Homburg30,7-0,1
Pirmasens29,4-0,2
Speyer28,7+0,6
Zweibrücken28,2+0,1
Ludwigshafen21,5+1,3
Kaiserslautern19,5-0,1
Gesamt32,0+0,8