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Ein Glaubenszeugnis auf Augenhöhe

Evangelische Mission in Solidarität (EMS) wird 50 Jahre alt – Gründungsbeschluss in Landau erfolgt

Es war eher zufällig, dass die Entscheidung zur Gründung eines neuen Missionswerks gerade in Landau fiel. Schon länger berieten Landeskirchen aus dem Südwesten und Missionsgesellschaften darüber, sich für ihre missionarische Arbeit in einem gemeinsamen Werk zusammenzuschließen. Am 28. Januar 1972 – vor 50 Jahren – kamen Vertreter von fünf Landeskirchen, der Herrnhuter Brüdergemeine und von fünf Missionsgesellschaften turnusgemäß zu einer Sitzung im Landauer protestantischen Butenschoenhaus zusammen: Sie beschlossen die Gründung des „Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland“ (EMS), das schon wenige Monate später seine Arbeit aufnahm.

Jacques Rossel, der damalige Präsident der Basler Mission und einer der Gründungsväter, gab das Ziel vor: „Was wir heute zu tun versuchen, sind Strukturen aufzurichten, die uns erlauben, besser als bisher, auf weltweiter Ebene das zu tun, was unteilbar zur Mission gehört: Christus zu verkündigen und an der lebendigen Gemeinschaft mit ihm Anteil zu geben.“ Auch heute bleibt das internationale Missionswerk, das seit zehn Jahren „Evangelische Mission in Solidarität“ (EMS) heißt, seinem Ziel treu: Die mittlerweile 23 Kirchen, zwei Gastkirchen und fünf Missionsgesellschaften in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Europa wollen ein gemeinsames Glaubenszeugnis in der Welt geben – und sich in enger Partnerschaft beim Aufbau von Kirchen und Gemeinden gegenseitig helfen.

Hintergrund der Gründung des Missionswerks war ein Wandel in der internationalen Zusammenarbeit der Kirchen in den 1960er Jahren im Zuge der Dekolonialisierung, sagt Oberkirchenrätin Marianne Wagner, die langjährige ehemalige EMS-Präsidentin. Viele Kirchen in Übersee wurden selbstständig und wollten mit den Kirchen in Europa direkt und nicht über Missionsgesellschaften in Kontakt treten.

Ein neues Denken für ein Miteinander der Kirchen auf Augenhöhe kam auf: Die Kirchen in Deutschland wollten ihrerseits nicht nur Missionare entsenden, sondern auch Verantwortung für die Kirchen in Übersee übernehmen. Für ihr kirchliches Leben erhofften sie sich Impulse über Kontakte zu Kirchengemeinden und -leitungen. Die Kirchen im Südwesten verband eine lange Tradition in der Missionsarbeit, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht: Bis heute gibt es in der Pfalz, in Württemberg und Baden eine starke Anbindung an die Basler Mission und die Deutsche Ostasienmission, erklärt Oberkirchenrätin Wagner.

Ende der 1960er Jahre entstanden in einzelnen Landeskirchen Pfarrämter für Weltmission und Ökumene. Auch der Missionarisch-Ökumenische Dienst in Landau pflegt die Aufgabe der Weltmission weiter. Gründungskirchen der EMS, die ihren Sitz in Stuttgart hat, waren die Landeskirchen in der Pfalz, Baden, Württemberg, in Hessen und Nassau sowie von Kurhessen-Waldeck.

Das besondere Interesse der Kirchen im Südwesten an der Missionsarbeit liege auch in deren pietistischer Prägung begründet, erläutert Oberkirchenrätin Wagner. Seit der Gründung der Basler Mission 1815 seien aus der Pfalz Missionare nach Übersee entsandt worden, um dort den christlichen Glauben zu verbreiten und zu stärken. In das EMS bringe die Pfälzer Kirche ihre Expertise in der kirchlichen Partnerschaftsarbeit sowie eine auch theologische Vielfalt, Liberalität und Flexibilität ein.

Bis heute seien in der Pfalz die Direkt­partnerschaften von Kirchengemeinden, etwa zu den Partnerkirchen in Ghana und Korea, wichtig. Die weltweite Ökumene in der EMS-Arbeit habe „einen unschätzbaren Wert für den Austausch der Kirchen“, betont Wagner. Gerade von Partnerkirchen in der Diaspora könne die Kirche in Deutschland lernen, wie Kirchesein auch mit weniger Geld und weniger Mitgliedern gelingen könne.

Beispiele dafür seien etwa die Stärkung der Spiritualität, die Weitergabe des Glaubens an junge Menschen und die Organisation der Kirche mit weniger Pfarrerinnen und Pfarrern. Die EMS nutze dazu auch digitale Möglichkeiten für einen Austausch, etwa zu biblischen Texten und für Gebete, sagt Oberkirchenrätin Marianne Wagner. „Man muss die Bereitschaft des Voneinander-Lernens haben.“ Alexander Lang

Ein Schatz der Landeskirchen

EMS-Generalsekretär: Arbeit des Missionswerks rettet auch Menschen

Für Pfarrer Dieter Heidtmann ist die EMS „eine großartige Erfolgsgeschichte“ und „ein Schatz der Landeskirchen“. Diese hielten dem Missionswerk auch über das 50. Jubiläumsjahr hinaus weiterhin die Treue, zeigt sich der Generalsekretär zuversichtlich. Die EMS-Projekte sorgten nicht nur dafür, dass sich die biblische Botschaft weiterverbreite: „Sie retten auch Menschen in der Welt.“

Im vergangenen Jahr hätten die EMS-Mitglieder 3,7 Millionen Euro für gemeinsame Projekte, etwa für Bildung und Gesundheit, bereitgestellt. Hinzu seien private Spenden aus den Kirchengemeinden für den insgesamt 8,1 Millionen Euro umfassenden Haushalt gekommen. Die pfälzische Landeskirche habe sich mit 191400 Euro eingebracht. EMS-Projekte gebe es etwa für Bildung und Gesundheit, Umwelt und Diakonie. Die Pfälzer Protestantinnen und Protestanten täten sich in der EMS-Familie durch ihr großes Engagement hervor, würdigt der Generalsekretär.

Am Sonntag, 16. Januar, feiert die EMS den 50. Jahrestag des Gründungsbeschlusses mit einem Gottesdienst. Dieser wird zuvor in der Landauer Stiftskirche aufgezeichnet, unter anderem wird er von Oberkirchenrätin Marianne Wagner und Oberkirchenrat Manfred Sutter gestaltet. Der Gottesdienst ist abrufbar auf der Homepage: ems-online.org. Der Festakt zum EMS-Jubiläum findet am 16. September – dem 50. Jahrestag des Gründungsakts – im Stuttgarter Hospitalhof statt.

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Voneinander lernen: Der damalige württembergische Bischof Helmut Claß spricht vor der EMS-Synode in Stuttgart. Foto: EMS
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Geschwisterlich: Hilfsgüter werden nach einem Erdbeben auf Südsulawesi verladen. Foto: EMS
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