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Digitale Tagung macht den Präsidenten nicht nervös

Landessynode erstmals als Videokonferenz – Über den Umgang mit nationalsozialistischen Relikten in Pfälzer Kirchen soll beraten werden

Zum ersten Mal wird eine Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz am 16. und 17. April digital tagen. Die rechtlichen Voraussetzungen für diese Videokonferenz habe die Synode im November vergangenen Jahres geschaffen, sagte Synodalpräsident Hermann Lorenz im Gespräch mit dem KIRCHENBOTEN. Diese letzte Sitzung der aktuellen Synode ist notwendig geworden, weil wegen der Corona-Pandemie die Tagung im November nur verkürzt stattfinden und nicht alle Themen behandelt werden konnten. Die neue Synode wird sich im Juli konstituieren.

Ein digitaler Probelauf habe am 12. März gut geklappt, sagte Lorenz. Er sei jedenfalls vor dieser Tagung der Landessynode nicht nervöser als sonst. Das Präsidium werde in einem großen Raum im Landeskirchenrat in Speyer unter Einhaltung aller Corona-Regeln die Sitzung gemeinsam leiten. „Das wird sicher anstrengender als eine normale Sitzung“, sagte Lorenz.

Vorgesehen sei, dass sich der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann trotz seiner Erkrankung mit einer Videobotschaft an die Synodalen richte, sagte Lorenz. Die Synode wird am Freitag über ein Arbeitspapier informiert, das der Landeskirchenrat und der allgemeine geistliche Rat des Bistums Speyer vereinbart haben, um die Ökumene weiter voranzubringen.

Möglicherweise zu größeren Diskussionen werde ein Gesetzentwurf sorgen, der sich mit dem kirchlichen Umgang mit Darstellungen von antisemitischem, rassistischem oder nationalsozialistischem Gedankengut befasst, sagte Lorenz. Auslöser der Gesetzesinitiative ist die Debatte in der Landeskirche um Inschriften aus der Zeit des Nationalsozialismus auf Glocken in Pfälzer Kirchen. Besonderes Aufsehen erregte dabei die Kirche in Herxheim am Berg mit ihrer sogenannten „Hitlerglocke“.

Nach derzeitigem Recht sind die Gemeinden für den Umgang mit diesen Relikten zuständig. Der Jurist Lorenz plädiert dafür, zu prüfen, ob die Verfassung so geändert werden kann, dass die Landeskirche in diesen Fällen ein Durchgriffsrecht habe. Nationalsozialistische Symbole oder Inschriften in einer Kirche seien ja nicht nur Angelegenheit der betreffenden Gemeinde, sondern fielen auf die gesamte Kirche zurück, sagte Lorenz.

Oberkirchenrätin Marianne Wagner wird der Synode einen ersten Zwischenbericht über die sogenannten Erprobungsräume in der Landeskirche geben. Im Mai 2018 hatte die Synode beschlossen, Mittel zur Verfügung zu stellen, damit Gemeinden und Einrichtungen neue Formen kirchlicher Arbeit ausprobieren können. Danach sind zahlreiche Projekte gestartet worden. Nach Ansicht von Wagner werden die Erprobungsräume von den Menschen an der kirchlichen Basis als Wertschätzung und Vertrauen der Kirchenleitung in ihre Kompetenzen wahrgenommen und begrüßt.

Um die Finanzen der Landeskirche wird es gehen, wenn der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, Helmuth Morgenthaler, am Samstag den Abschlussbericht der von der Synode eingesetzten Konsolidierungskommission vorlegt. Die Kommission sollte nach Einsparungsmöglichkeiten suchen, um den strukturell defizitären Haushalt der Landeskirche ins Gleichgewicht zu bringen.

In einem weiteren Papier wird sich die Landessynode mit dem „Dekansamt im Wandel“ befassen. Er habe schon seit einiger Zeit vorgeschlagen, das Dekansamt nicht mehr mit einem Gemeindepfarramt zu verbinden, sagte Synodalpräsident Lorenz. Durch Fusionen würden die Kirchenbezirke immer größer, was zusätzliche Verwaltungsarbeit für die Dekane mit sich bringe; nicht zuletzt auch wegen der häufig in dekanatsweiten Zweckverbänden zusammengeschlossenen Kindertagesstätten. „Die Dekane sollen Pfarrer im Kirchenbezirk sein, aber nicht mehr in einer bestimmten Gemeinde“, sagte Lorenz.

Neben diesen Schwerpunktthemen soll die Synode noch über eine ganze Reihe von Kirchengesetzen beschließen. Außerdem befasst sie sich mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit und evangelische Publizistik in der Landeskirche. Den Synodalen liegt ein Konzept vor, wie diese beiden Bereiche in Zeiten knapper werdender Kassen möglichst effektiv die Kirche und die für sie wichtigen Themen in der Öffentlichkeit darstellen können. koc