Kommentar

Digitale Synode von Premieren geprägt

von Hartmut Metzger

Die Konstituierung dieser pfälzischen Landessynode, die in den nächsten sechs Jahren die Zukunft der Evangelischen Kirche der Pfalz gestalten soll, war gleich in mehrfacher Hinsicht von Premieren geprägt. Zum einen gründete sie sich erstmals digital, was ihr dank der medialen Tapferkeit ihrer 50 gewählten Mitglieder und nicht zuletzt auch dank der stoischen Ruhe der die Synode eröffnenden Kirchenpräsidentin fast unfallfrei gelang. Zugleich zeigten einige Mitglieder der Synode angesichts der Tücken der digitalen Abstimmung das Talent zum Medienstar. Zum anderen kam die dreitägige Sitzung der Landessynode in der Berichterstattung einer großen pfälzischen Tageszeitung erstmals überhaupt nicht vor. Und zum Dritten zeigte das Stimmverhalten der Landessynodalen eine große Geschlossenheit, die nach der Kampfkandidatur um das Amt des Synodalpräsidenten so nicht zu erwarten war.
Erstmals in der Geschichte der Landessynode gab es bei der Wahl des Synodalpräsidenten zwei Kandidaten: Hartmann Leube (60) aus Ludwigshafen kandidierte gegen Hermann Lorenz (73) aus Kaiserslautern, der die Synode bereits in den vergangenen sechs Jahren erfolgreich geleitet hat. Und diese Entscheidung war denkbar knapp: Erst im zweiten Wahlgang setzte sich Lorenz mit 25 zu 24 Stimmen (bei 49 anwesenden Synodalen) gegen Leube durch, der bei vier Enthaltungen im ersten Wahlgang mit 23 zu 22 Stimmen sogar vor Lorenz lag. Ein in der Tat erstaunlicher Vorgang. Nun gehören beide den beiden bislang größten Gruppen in der Synode an: Leube dem Arbeitskreis Offene Kirche (AOK) und Lorenz der Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaft (KTA). Zwei weitere Gruppen sind der Synodale Gesprächskreis (SGK) und das Synodale Forum (SF). Weshalb hat die Kandidatur zweier synodal so erfahrener und profilierter Gruppenvertreter um das höchste Amt der Pfälzer Protestanten nicht zu einer zumindest zeitweisen Polarisierung der Synode geführt?
Das Gegenteil war der Fall. Da war vieles vorab geklärt, was die Wahl der geistlichen Vertreter in die Kirchenregierung deutlich zeigte: Vier Sitze, vier Gruppen, vier Dekane; vier gute Kandidaten mit großen Mehrheiten im ersten Wahlgang einer Gruppenwahl. Von 52 möglichen Stimmen erhielt Dekan Thomas Holtmann (KTA) 43, Dekan Matthias Schwarz (AOK) 42, Dekan Lars Stetzenbach (SF) 39 und Dekan Dietmar Zoller (SGK) 38 Stimmen, wobei die erforderliche Mehrheit bei 27 liegt. Zwar zeigte die digitale Synode vielleicht noch nicht die endgültige Gewichtung ihrer Gruppen, aber einen großen Willen zur Zusammenarbeit und zur Selbstorganisation, der sich bei der Wahl der sieben weltlichen Synodalen in der Kirchenregierung bestätigte: alle mit großen Mehrheiten. Hier trat Hartmann Leube (AOK) erneut an und konnte mit 42 Stimmen sicherlich auch Mitglieder der KTA für sich gewinnen.