Seitenkopf Kirchenbote

|   Andacht

Die Treue Gottes

Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis

von Pfarrer Alexander Ebel

Dies ist das Lied Hiskias, des Königs von Juda, als er krank gewesen und von seiner Krankheit gesund geworden war: Ich sprach: In der Mitte meines Lebens muss ich dahinfahren, zu des Totenreichs Pforten bin ich befohlen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Nun werde ich nicht mehr sehen den Herrn, ja, den Herrn im Lande der Lebendigen, nicht mehr schauen die Menschen, mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt. Zu Ende gewebt hab ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab vom Faden. Tag und Nacht gibst du mich preis; bis zum Morgen schreie ich um Hilfe; aber er zerbricht mir alle meine Knochen wie ein Löwe; Tag und Nacht gibst du mich preis. Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube. Meine Augen sehen verlangend nach oben: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Was soll ich reden und was ihm sagen? Er hat’s getan! Entflohen ist all mein Schlaf bei solcher Betrübnis meiner Seele. Herr, davon lebt man, und allein darin liegt meines Lebens Kraft: Du lässt mich genesen und am Leben bleiben. Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Denn die Toten loben dich nicht, und der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute. Der Vater macht den Kindern deine Treue kund. Der Herr hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen, solange wir leben, im Hause des Herrn!

Jesaja 38, 9–20

Der König singt. Er singt davon, wie er krank gewesen ist, so krank, dass er damit rechnete zu sterben.

Der berühmte Prophet Jesaja hatte es ihm angesichts seiner Krankheit gesagt: Bestell dein Haus. Das heißt: Nimm Abschied. Regle deine Angelegenheiten. Das wird nicht mehr. Und der König ist verzweifelt. Er weint und klagt. Denn er ist noch nicht „alt und lebenssatt“. Und er hat zu seiner Zeit nur Hoffnung für das Leben, das ihm auf dieser Erde geschenkt ist.

Im Totenreich dagegen wird Gott nicht gelobt: „Nun werde ich nicht mehr sehen den Herrn, ja, den Herrn im Lande der Lebendigen, nicht mehr schauen die Menschen, mit denen, die auf der Welt sind. Meine Hütte ist abgebrochen und über mir weggenommen wie eines Hirten Zelt.“

Wenn der Mensch stirbt, ist sein Faden abgeschnitten, auch sein Faden, seine Verbindung zu Gott. Nur im Leben kann man behaust, beheimatet, wie von einem Zeltdach beschützt sein. Trost kann der König nicht finden, solange er damit rechnet, sterben zu müssen. So ist seine Hoffnung eine rein diesseitige: „Lass mich wieder genesen und leben!“, fleht er.

Und Gott erhört sein Flehen. 15 Lebensjahre gibt er Hiskia noch zu. Und der König singt. Er singt davon, wie er von seiner Krankheit zum Tode genesen ist. Das ist Grund für ihn, Gott zu loben - was nur die Lebenden können, nicht die Toten. Angesichts dessen, dass die Toten Gott nicht mehr loben können, gibt es so manchen, der sagt: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!“ (Jesaja 22, 13). Hiskia denkt anders: „Lasst uns singen und spielen, solange wir leben, im Hause des Herrn“, also im Tempel. Dort Gott auf diese Weise zu danken und zu loben für das Leben, solange es dauert, das zieht der König als Konsequenz aus seiner Genesungsgeschichte.

Viele Jahrhunderte später kritisiert der Apostel Paulus eine allzu diesseitige Lebens- und Glaubenseinstellung und sagt: „Wenn die Toten nicht auferstehen, dann(!) ‚lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot‘“ (1. Korinther 15, 32). Ohne die Hoffnung auf die Auferstehung, so Paulus, wäre dies tatsächlich die Konsequenz für unser Leben. Es bliebe nichts, als alles an Genuss mitzunehmen, was einer erreichen kann. So aber können wir Gott loben und danken, ihm singen und spielen, sei es zu Hause oder im Hause des Herrn, danken dafür, dass nicht alles daran hängt, wie viel wir im Leben genießen, sondern dass er uns in Jesus Christus eine viel größere Hoffnung darüber hinaus geschenkt hat.

Hiskia kennt noch kein Ostern, weiß noch nicht, dass Gottes Liebe auch im Tod nicht von uns lässt. Immerhin nimmt er die Erfahrung mit, dass Gott ihn schon im Leben erhört hat. Auch das kommt vor.

Gott hilft, auch in aussichtslosen Lagen, wenn man sich ihm anvertraut. Er hilft Hiskia, dem in seiner Krankheit vom Tode Bedrohten, wie er auch kurz zuvor der tödlich bedrohten Stadt Jerusalem geholfen und sie gerettet hat. Das bleibt Hiskia und den Judäern: die Erfahrung der Treue Gottes.

Alexander Ebel ist Gemeindepfarrer in Altrip.

Gebet

Gott, ich bitte dich um all das, was ich zum Leben wirklich brauche: das tägliche Brot, ein gutes Wort, eine helfende Hand. Befreie die Menschen – auch mich – von Genusssucht und dem Gefühl, etwas zu verpassen. Ich danke dir für das Leben, das mir geschenkt ist, und für die Hoffnung, die du aufgerichtet hast in Jesus Christus. Amen.

Zurück
Auch Jerusalem wurde gerettet: Hiskia und den Judäern bleibt die Erfahrung der Treue Gottes. Foto: epd
Auch Jerusalem wurde gerettet: Hiskia und den Judäern bleibt die Erfahrung der Treue Gottes. Foto: epd

Ihre Meinung zum Artikel

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert

KIRCHENBOTE aktuell

Diener kandidiert erneut

Der Germersheimer Dekan Michael Diener kandidiert erneut für den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland.

> KIRCHENBOTE aktuell

Abo-Service

Haben Ihnen unsere Leseproben gefallen? Dann abonnieren Sie doch den Evangelischen Kirchenboten! Es gibt ihn auch als digitale Ausgabe.

KiKi – der Kinderkirchenbote

beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit Fabeltieren. Mehr dazu und die vorherigen Ausgaben unserer Kinderbeilage gibt es beim Menüpunkt "Unsere KiKi".

Newsletter

Ab sofort können Sie unseren wöchentlich erscheinenden Infobrief abonnieren. Auf der Seite "Newsletter abonnieren" im Menü Service können Sie Ihre Bestellung übermitteln.

Buchtipp

Ohne Himmel ist die Erde ziemlich grau

Denkanstöße - Hoffnungstexte - Glaubenswelten
von Helwig Wegner-Nord

Verlagshaus Speyer GmbH, 14 x 20 cm, 128 Seiten, Paperback, 11.90 Euro