Leitartikel

Die Sehnsucht nach Gemeinschaft stillen

von Florian Riesterer

„Wir leben jetzt. Es lässt sich nicht alles verschieben auf irgendwann“, warb die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann kürzlich dafür, Konfirmationen trotz Corona nicht zu verschieben. Und in der Tat haben etliche Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Jugendlichen in den vergangenen Wochen konfirmiert – oder haben Feiern aus dem Vorjahr nachgeholt. Viele Familien sind froh, dass die Konfirmation endlich über die Bühne gegangen ist – wenn auch in Kleingruppen oder mit wenig Besuchern in der Kirche.

Diejenigen, die noch warten, hoffen, dass sie im Sommer oder Herbst entspannter feiern können. Vor allem aber möchten sie den Jugendlichen die Chance bieten, sich als Gruppe bei einer gemeinsamen Unternehmung zum Abschluss noch einmal ganz neu kennenzulernen. Denn anders als beim Jahrgang zuvor sind etliche solcher Veranstaltungen im Januar ausgefallen. Und die Langzeitstudie zu Konfirmanden, die auch im neuen Konfirahmenplan Beachtung findet, zeigt: Gerade jene Gemeinschaftserlebnisse bleiben im Gedächtnis, prägen das Bild von Kirche. Manch einer wird sogar gerade aufgrund dieser Erfahrung ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Es ist nicht hoch genug zu schätzen, wenn Haupt- und Ehrenamtliche versuchen, solche Treffen trotz der Corona-Krise auf die Beine zu stellen. Jenseits kirchlicher Themen nehmen sie die Konfirmanden wahr als Jugendliche, die sich nach Austausch untereinander sehnen, die das Gegenüber suchen. Die Pandemie zeigt: Nicht das Abarbeiten ­eines Themenkatalogs ähnlich wie in den ­allermeisten Schulfächern wird vermisst, sondern die Momente, wo die Jugendlichen als Person ernst genommen werden. Hier hat die Kirche immer noch ein Pfund, mit dem sie wuchern kann.