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Die Kirchentür muss offen bleiben

von Karsten Packeiser

Bislang dürfen die Kirchen in Deutschland im Gegensatz zu Gastronomie, Kinos oder Theatern darauf verzichten, den Impfstatus ihrer Besucher zu kontrollieren. In Rheinland-Pfalz haben die Gemeinden seit September die Wahl, ob sie an den bisherigen Vorsichtsmaßnahmen mit Abstand und Masken festhalten, oder bei allen Kirchgängern den Impfstatus zu prüfen und dafür wieder Gottesdienst in vollen Kirchen zu feiern. Die Evangelische Kirche von Westfalen sprach sich schon im Sommer grundsätzlich für 3G-Gottesdienste aus. Dieser Trend scheint sich aktuell vielerorts in der Bundesrepublik zu beschleunigen. Warum eigentlich?

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst riet im September in einem Rundschreiben an alle Gemeinden dringend davon ab, Ungeimpfte vom Gottesdienst auszuschließen. Tatsächlich macht es einen Unterschied, ob jemand ein Konzert, eine Weinstube oder einen Gottesdienst besucht. Die Kirchentür muss für alle offen bleiben, die Zuspruch suchen und von Sorgen geplagt sind. Selbst für Unvernünftige oder Narren. Die Idee, Menschen für ihr vermeintliches Fehlverhalten mit Gemeinschaftsentzug zu sanktionieren, liegt christlichen Prinzipien fern.

Dem kommt eine Besonderheit der rheinland-pfälzischen Anti-Corona-Verordnung zwar entgegen: Sie sieht vor, dass auch eine gewisse Anzahl „nicht immunisierter“ Personen an 2G-Veranstaltungen teilnehmen darf, aktuell bis zu 25 Personen. Und im Gegensatz zu Besuchern von Theatern oder Restaurants sind maximal 25 Kirchgänger dabei staatlicherseits sogar privilegiert und nicht verpflichtet, einen negativen Test vorzulegen.

Selbstverständlich dürfen Kirchengemeinden von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und auch strengere Regeln erlassen, was mancherorts bereits geschieht: So gibt es schon 2G-Gottesdienste mit FFP2-Maskenpflicht und sogar solche, bei denen Ungeimpfte in einen separaten Raum gesetzt werden sollen, während die restliche Gemeinde eng beisammen im Hauptschiff der Kirche feiert. Fraglich bleibt aber, ob solche Zusammenkünfte in der gegenwärtigen Situation ohne Abstand und Maske überhaupt wünschenswert sind. Längst ist klar, dass auch Geimpfte sich selbst und danach andere infizieren können.

Die zu Beginn der Pandemie etablierten Schutzmaßnahmen in den großen Kirchen haben insgesamt gut funktioniert: Es wurden praktisch keine Corona-Ausbrüche im Zusammenhang mit evangelischen oder katholischen Gottesdiensten bekannt. Vieles spricht deshalb dafür, am bewährten bisherigen Vorgehen festzuhalten. Denn – Hand aufs Herz – in den meisten Kirchen ist sonntags ohnehin genügend Platz, um ein wenig Abstand zu halten. An Weihnachten dürfte das anders werden. Aber so schnell, wie sich die Pandemielage gerade ändert, ist es momentan ohnehin unrealistisch, schon einen unumstößlichen Plan für die Festtage aufzustellen.

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Karsten Packeiser
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