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Die Kaiserkronen funkeln wieder

Das Dom- und Diözesanmuseum im Historischen Museum der Pfalz in Speyer präsentiert sich völlig neu

Da stehen sie wieder, in neues Licht gerückt: die Blickfänger aus den Kaiser- und Königsgräbern. Die kupferne Grabkrone von Kaiserin Gisela von 1043 aus dem Domschatz sowie die Grabkronen der Kaiser Konrad II. und Heinrich III. funkeln in ihren Vitrinen um die Wette. Wie es den salischen Majestäten gebührt, die in der Krypta des Speyerer Doms ihre letzte Ruhestätte fanden, sind auch andere Funde der spektakulären Graböffnungen aus dem Jahr 1900 wieder zu sehen. Das Dom- und Diözesanmuseum des Bistums Speyer befindet sich nun an neuem Ort im Untergeschoss des Historischen Museums der Pfalz in Speyer und präsentiert sich seit dem 20. September neu.

Die Schau gibt einen spannenden Überblick über die mehr als 1500 Jahre lange Geschichte des Bistums sowie die Baugeschichte des Kaiserdoms, der größten erhaltenen romanischen Kathedrale der Welt. Wegen Sanierungsarbeiten ist die Schau innerhalb des historischen Museumsgebäudes umgezogen und verfügt über eine Ausstellungsfläche von rund 500 Quadratmetern, wie Direktor Alexander Schubert erläutert. Der sogenannte Domschatz aus der gleichnamigen Sammlung bleibt weiterhin das Glanzstück der Neupräsentation unter dem Titel „Kreuz und Krone“. Der mehr als 1000 Jahre alte Speyerer Dom ist seit 40 Jahren Unesco-Weltkulturerbe. In der letzten Ruhestätte der salischen Herrscher wurden acht Kaiser und Könige, dazu drei Kaiserinnen sowie 40 Bischöfe beigesetzt.

Zu den einzigartigen Zeugnissen, die aus den Steinsärgen der weltlichen Herrscher geborgen wurden, zählen auch der Reichsapfel Heinrichs III. und der Goldring Heinrichs IV. Zudem sind die fragilen Überreste der Grabgewänder aus Wolle, Seide und Leinen zu sehen – auch die von dort bestatteten Bischöfen. Vor elf Jahren waren sie erforscht und in einer eigenen Ausstellung unter dem Namen „Des Kaisers letzte Kleider“ gezeigt worden. Alle Exponate würden nun in der 1,1 Millionen Euro teuren Neupräsentation in die wechselvolle Geschichte des Bistums eingeordnet, erläutert Domkapitular Peter Schappert.

Um die Geschichte des Bistums Speyer und seines weltberühmten Doms den Besucherinnen und Besuchern vor Augen zu führen, haben die Ausstellungsmacher um Kuratorin Sabine Kaufmann rund 140 wertvolle Stücke zusammengetragen. Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 erstreckte sich das Bistum sowohl linksrheinisch als auch in großen Teilen rechts des Rheins. Das Bistum, das heute die Gebiete der Pfalz und der Saarpfalz umfasst, zählt zu den ältesten Bistümern Deutschlands. Auch aus Kirchen und Klöstern des Bistums stammen zahlreiche der Kleinode, die nun in Speyer bestaunt werden können.

Den passenden Rahmen dafür bietet der Museumsbau: Er ähnelt mit seinem Querhaus und kleeblattartigem Chor einem mehrschiffigen Kirchenraum. Neben kostbaren liturgischen Geräten und Gewändern zur Feier des Gottesdienstes sowie sakralen Kunstschätzen sind auch manche Werke aus der Region erstmals im Museum zu sehen: ein dreiteiliges Altarbild aus der Kapelle des Kinderheims St. Nikolaus in Landstuhl und ein spätgotischer Altarschmuck, ein Antependium, das in der ehemaligen Ludwigskirche in Speyer aufbewahrt wurde.

Ein trauriges Zeugnis der Domgeschichte ist das angekohlte Beinchen einer Jesus-Figur, das 1794 nach den Zerstörungen im Zuge der französischen Revolutionskriege geborgen wurde. Auch junge Museumsbesucherinnen und -besucher kommen auf ihre Kosten: An einem großen Dommodell können sie versuchen, die Symbolik einzelner Bauelemente zu entschlüsseln.

Kaum ein Thema ist die Ökumene. Lediglich auf einer an der Wand angebrachten Zeitleiste ist vermerkt, dass die Speyerer Bischöfe einst auf Druck des protestantischen Speyerer Stadtrats auf die andere Rheinseite flüchteten. Dort residierten sie zeitweise in Philippsburg und Bruchsal. Das heutige gute Miteinander von Katholiken und Protestanten und anderen christlichen Kirchen in der Region kommt nicht zur Sprache. Alexander Lang

Das Historische Museum der Pfalz ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. www.museum.speyer.de

Mehr als 1000 Objekte

Angesichts seiner jahrhundertealten Geschichte verwundert es kaum, dass längst nicht alle Objekte zur Geschichte des Bistums Speyer in der Ausstellung Platz finden. Gleiches gilt für den Domschatz. Etliches davon lagert deshalb in den Depoträumen des Historischen Museums der Pfalz.

Laut Ludger Tekampe, Sammlungsleiter für Kulturanthropologie und Volkskunde sowie zuständig für das Weinmuseum, verzeichnet die Datenbank des Speyerer Depots insgesamt 1366 Objekte. „Einiges davon lagert aber im Kunstdepot des Bistums“, so Tekampe. Im Fotoarchiv des Museumsdepots in der ehemaligen Baumwollspinnerei wiederum dokumentieren alleine 552 Glasplattennegative die Kaisergräberöffnung aus dem Jahr 1900. Dazu kommen rund 200 Objekte zum Thema katholische Volksfrömmigkeit, die ebenfalls im Depot auf ihren Einsatz harren.

Außerdem sind in den Räumen des Depots weltliche Objekte mit Bezug zur katholischen Kirche untergebracht, darunter etwa ein Holzschlitten mit Pferdeköpfen, der einem ehemaligen Speyerer Bischof gehört hat, so Tekampe. Insgesamt, so Tekampe, sei es dem Bistum ein Anliegen gewesen, bei der Ausstellung „Kreuz und Krone“ nicht nur den Domschatz abzubilden, sondern den Blick auf das ganze Bistum zu weiten. flor

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Mit Edelsteinen verziert: Vergoldete Monstranz um 1800 (links), daneben die Monstranz für Bischof Joseph von Ehler (1898). Foto: epd
Mit Edelsteinen verziert: Vergoldete Monstranz um 1800 (links), daneben die Monstranz für Bischof Joseph von Ehler (1898). Foto: epd
Annähernd 1000 Jahre alt:  Die Grabkrone Kaiser Heinrichs III. aus Kupfer. Foto: epd
Annähernd 1000 Jahre alt: Die Grabkrone Kaiser Heinrichs III. aus Kupfer. Foto: epd

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