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Dem Beschluss der Synode ein halbes Jahr voraus

Vor 20 Jahren wird das erste gleichgeschlechtliche Paar in der Landeskirche gesegnet – Synodale stellen Segnung ins Ermessen der Gemeinde

Im Juni 2002 gestalteten Frank-Matthias Hofmann, Silke Portheine-Hoffmann und Horst Hutter in der Paul-Gerhardt-Kirche in Ludwigshafen-Rheingönheim einen Gottesdienst für Paul Schröder und seinen Lebenspartner Suchat Papakdee. Die damals erste Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares in der Landeskirche nahm einen Beschluss der Landessynode vom darauffolgenden Herbst vorweg. Mit 44 von 63 Stimmen ermöglichte sie damals die gottesdienstliche Begleitung homosexueller Paare.

20 Jahre später leben Paul Schröder und sein Partner Suchat Papakdee immer noch glücklich zusammen. „Wir halten den jeweils anderen für den besten“, drückt es Schröder am Telefon aus. Auch die Ehe haben sie mittlerweile geschlossen. Noch immer denkt der mittlerweile 78-Jährige gerne an den Tag im Juni 2002 zurück. „Wir haben damals sehr viele Glückwünsche bekommen“, sagt Schröder. Einer der ersten Gratulanten war der damalige Ludwigshafener Dekan Michael Gärtner. Schröder betont, dass er selbst gar nicht so sehr auf die Segnung gedrängt habe. „Es gab damals Widerstände in der Landeskirche gegen gleichgeschlechtliche Segnungen, ich wollte niemanden kompromittieren.“ Gut hätte er auch auf eine Entscheidung der Landessynode warten können. „Mein eigenes Gottesbild ist: Gott ist mit dieser Beziehung einverstanden auch ohne kirchlichen Akt.“

Maßgeblich voran trieb die Segnung der damalige Rheingönheimer Pfarrer Frank-Matthias Hofmann. Er habe zu dieser Zeit immer wieder mit dem Thema Homosexualität zu tun gehabt, sagt Hofmann, heute Beauftragter der Evangelischen Kirchen für das Saarland. Während eines Stipendiums in Utrecht habe er sich mit einem schwulen Freund öfter theologisch darüber ausgetauscht. In der Rheingönheimer Gemeinde outete sich der Sohn eines Gemeindemitglieds als homosexuell, Hofmann betreute die Eltern seelsorgerlich. Seine Konfirmanden wiederum lobten immer wieder ihren Religionslehrer Paul Schröder, damals am Böll-Gymnasium.

Es sei ihm und seiner damaligen Frau ein unbedingtes Anliegen gewesen, Schröder das Angebot der Segnung zu machen, auch vor einer Synodenentscheidung. „Wir waren im Gespräch mit Christian Schad, hatten das Gefühl, dass die Synode dem Gesetz zustimmen würde, haben das antizipiert“, sagt Hofmann. Dennoch sei im Presbyterium klar gewesen: „Wir wollen keinen demonstrativen Charakter, wollen niemanden gegen uns aufbringen.“

Schad saß damals als Oberkirchenrat dem Arbeitskreis vor, der die Gesetzesvorlage vorbereitete. Rückblickend betrachtet er den Weg zur Entscheidung der Synode als gelungen. Unterschiedliche Ansichten und Wege seien offen kommuniziert worden, jedoch mit einem gemeinsamen Ziel: die Diskriminierung homosexueller Menschen zu beenden. Homosexualität werde in der Bibel nur jenseits einer dauerhaften Partnerschaft gedacht und deshalb dort abgelehnt, nicht weil sie an sich widernatürlich sei. Mit dem Gesetz, das den Gewissensvorbehalt von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie die Zustimmung des Presbyteriums bei einer gottesdienstlichen Begleitung gleichgeschlechtlicher Paare vorsah, sei kritischen Stimmen Rechnung getragen worden.

Die ersten Reaktionen auf das verabschiedete Gesetz 2002 seien gerade aus dem pietistischen Milieu gekommen, so Schad. Väter und Mütter hätten ihm erzählt, dass der Beschluss Söhnen oder Töchtern Kraft gegeben habe, sich endlich als homosexuell zu outen. „Die ihre Kinder liebten und weiter wollten, dass der Segen Gottes auf ihnen ruhe.“ Auch etliche katholische Christen hätten sich für die Entscheidung der Landeskirche bei ihm bedankt.

Dass der Weg richtig gewesen sei und theologische Feindbilder abgebaut habe, zeige ihm auch der anders als noch 2002 einstimmige Synodenbeschluss von 2019 zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare, so Schad, damals Kirchenpräsident. Er sei letztlich die Frucht dessen, dass von Anfang an alle in der Entscheidungsfindung mitgenommen worden seien. Daran ändere auch nichts, dass sich 2003 das Netzwerk bekennender Christen Pfalz in Reaktion auf den Synodenbeschluss gegründet habe. Das Netzwerk sah darin die „Auflösung der biblisch-reformatorischen Grundlage“ und „alarmistische Symptome einer geistlichen Erkrankung“ der Landeskirche. Florian Riesterer

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Nach wie vor ein glückliches Paar: Suchat Papakdee und Paul Schröder. Foto: Moray
Nach wie vor ein glückliches Paar: Suchat Papakdee und Paul Schröder. Foto: Moray

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