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„Das steht morgen auch noch“

Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat vor 20 Jahren den Terroranschlag „9/11“ in New York erlebt

Es war das traurige Ende einer dreiwöchigen Rundreise an der Ostküste: Die damalige Gemeindepfarrerin in Kaiserslautern machte gemeinsam mit Pfarrer Wolfgang Schumacher, dem heutigen Beauftragten der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz in Mainz, sowie einem weiteren Freund in New York Station. Am 10. September erkundeten die drei Pfälzer gemeinsam die Stadt. Die beiden Männer fuhren auf die Aussichtsplattform des „World Trade Centers“, um die Aussicht über die Metropole zu genießen. „Ich trank lieber einen Kaffee bei ‚Starbucks‘ und sagte mir: Das steht morgen auch noch“, erinnert sich die Kirchenpräsidentin.

Am nächsten Morgen wollte das Trio, das in einem Gästehaus auf der Insel Roosevelt Island im East River wohnte, für eine Strandwoche weiterreisen in den Norden, nach Cape Cod. Der Fernseher lief an diesem Septembertag im Frühstücksraum. Dann wurden die ersten erschreckenden Bilder auf dem Bildschirm gezeigt: Qualm über Manhattan, Sirenengeheul, was war passiert? Gemeinsam mit anderen Gästen stiegen Wüst, Schumacher und ihr Freund auf die Dachterrasse, blickten aus sicherer Entfernung in Richtung Süden in den Finanzbezirk der Stadt.

„Noch immer habe ich die Bilder der einstürzenden Türme im Kopf“, sagt Schumacher. Schnell begriffen die geschockten Urlauber, dass es sich bei dem Vorfall um eine Katastrophe handelte, erzählen Schumacher und Wüst. Viele der amerikanischen Mitbewohner seien aus Angst und Trauer um Familienmitglieder oder Freunde, die in den beiden Bürotürmen arbeiteten, völlig aufgelöst gewesen.

Als deutsche Touristen und auch als Seelsorger sei man in dieser Situation „außen vor gewesen“ und habe sich zurückgenommen, sagt Wüst. Man habe helfen wollen – Blutspenden für die Opfer seien aber abgelehnt worden. Fasziniert waren die drei Deutschen, die auf der Flussinsel festsaßen, davon, wie schnell die Amerikaner reagierten und solidarisch zusammenstanden. Wehende Flaggen und das Singen der Nationalhymne hätten die ethnisch, kulturell und religiös vielfältige US-Gesellschaft in der Ausnahmesituation verbunden, erinnert sich Schumacher. Für die von den Terroranschlägen Betroffenen hätten die Kirchen in den USA und auch in Deutschland gebetet. „Die Menschen brauchen das, wenn die Welt erschüttert wird“, sagt Wüst.

Die Schuld für die religiös begründete Tat von Fanatikern dürfe aber nicht auf Gott geschoben werden, betonen Wüst und Schumacher. „Gott schenkt den Menschen die Freiheit, Gutes zu tun“, sagt die Kirchenpräsidentin, „oder auch, Flugzeuge in ein Hochhaus zu steuern.“ Der Terrorakt sei „eine Perversion von Religion“ gewesen, sagt sie. Die Attentäter hätten die Religion für ihre Machtziele missbraucht, ergänzt Schumacher. Zu Unrecht sei der Islam insgesamt infolge der Terroranschläge in Verruf geraten.

Mit dem Auto kamen die Urlauber über Umwege aus New York und landeten nach ein paar Strandtagen in Cape Cod wieder in Deutschland – zur großen Freude ihrer Familien und Freunde, die sich sorgten. Wie jedes Jahr werde sie an „9/11“ innehalten, „aber keine Betroffenheit zelebrieren“, sagt Kirchenpräsidentin Wüst. Alexander Lang

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Perversion der Religion: Flammen schlagen nach dem Terroranschlag aus den „Twin Towers“ in New York. Foto: epd
Perversion der Religion: Flammen schlagen nach dem Terroranschlag aus den „Twin Towers“ in New York. Foto: epd
Ahnungsloser Tourist: Am Vortag der Attentate besucht Wolfgang Schumacher die Brooklyn-Bridge, im Hintergrund sind die Türme des „World Trade Centers“ zu sehen. Foto: pv
Ahnungsloser Tourist: Am Vortag der Attentate besucht Wolfgang Schumacher die Brooklyn-Bridge, im Hintergrund sind die Türme des „World Trade Centers“ zu sehen. Foto: pv

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Bemerkungen :

  • user
    Christa Esch 03/09/2021 um 00:35
    Ich besuche am 13. Sept. Kaiserslautern, wohne aber schon viele Jahre in Cleveland.
    Dank Kirchenbote, den mir eine liebe Freundin aus Speyer in Kurzform schickt, mehr könnte ich aus Zeitmangel nicht lesen, hat mich dieser Artikel am meisten beeindruckte.
    Als Frau Wuest gewaehlt wurde, verfolgte ich in Baalborn bei meinem Bruder am Fernseher den Ausgang der Wahl und freute mich ueber den Ausgang

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