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|   Andacht

Das ist Auferstehung

Andacht zum Sonntag Jubilate

von Pfarrerin Iris Schmitt

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden.

1. Mose 1, 1–4a (4b–25) 26–28 (29–30) 31; 2, 1–4a

Das Lob der Schöpfung. Und das am 8. Mai, einem historischen Tag für uns hier im Land. 1945 war der Krieg zu Ende. Befreiung vom Nationalsozialismus. Wie kriegt man das zusammen mit dem Lob der Schöpfung?

Ich denke dabei an Erich Kästner. Politischer Schriftsteller, Kinderbuchautor. Ich schau in seine Zeit. Für das Lob der Schöpfung war er eigentlich zu distanziert. Immer ein bisschen zu elegant ironisch. Immer irgendwie Kabarett. Er wollte stets Beobachter sein. Selbst bei der Verbrennung seiner eigenen Bücher stand er als Beobachter daneben.

Die Nationalsozialisten hatten ihm Berufsverbot erteilt. Abenteuerlich war die Flucht aus dem brennenden Berlin 1945. Für eine fingierte Filmproduktion gab es eine Reisegenehmigung. So entkamen einige Dutzend Filmschaffende nach Tirol. Der verfemte Kästner konnte auf die Besetzungsliste geschmuggelt werden, als Drehbuchautor. Jeden Tag wurde in Mayrhofens grandioser Bergkulisse gedreht, was das Zeug hielt. Nur: Es gab in diesen letzten Wochen des Kriegs gar kein Filmmaterial mehr. Die Filmdosen waren leer. Bereits 1932 hatte Kästner ein Gedicht veröffentlicht, in dem steht: „Die Schöpfung ist vorbei. Grüß Gott. Viel Glück.“
Ob Gott das so wollte? In seinem Tagebuch beschreibt Kästner, wie das Nichts, in das sich 1945 die ganze Welt auflöste, auf den einen, den erlösenden Moment wartete. Eine neue Schöpfung. Ein Ende. Ein Anfang. Es heißt, Gott loben, das könne man bereits mit einem Lächeln. Dem 8. Mai 1945 wohnte jedoch kein Lächeln inne. Alle waren erschöpft. „Mit dem Lächeln ist es überhaupt so eine Sache“, schreibt Kästner ins Tagebuch. „Der Rückmarsch einer geschlagenen Armee und der Rückweg zum Ebenbild Gottes sind … ganz und gar nicht ein und dasselbe.“
Wie auf dem Weg bis hin zum siebten Schöpfungstag, so mussten sich die Dinge erst wieder neu sortieren. Die Krone der Schöpfung war noch im Nichts versunken. Die Trennung von der Bosheit und der Unmoral, dieser Schöpfungsakt stand noch aus. Und vielleicht tut er es bis heute.
Dass wir zurückmüssen zum Ebenbild Gottes. Darauf kann ja nur ein Dichter kommen. Zurück zum Ebenbild Gottes! Viele unserer Zeitgenossen machen daran Gottes Güte fest: An der Güte der Menschen, Christen und Christinnen zumal. An der Gottebenbildlichkeit festzuhalten, das ist wohl Kästners einziges Lob der Schöpfung.

So muss man auch seinen Satz verstehen, den er über sich selbst gesagt hat: „Ich bin ein Moralist.“ Sie wissen schon: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Für Kästner zeigt sich nur so, ob der Mensch Krone der Schöpfung ist. Vielleicht betrachten wir es einmal mit dem Schriftsteller so, dass wir das Gute, das wir wünschen, als schöpferischen Akt sehen. Und dass wir das Gute nicht allein Gott überlassen dürfen.
Manche sagen, als Gott den Menschen schuf, da habe er echten Humor gezeigt. Denn auch Gott hatte ganz gewiss den gelungenen Entwurf vom Menschen vor Augen. Gott sucht immer den neuen Anfang. Das ist Osterfreude. Das ist Auferstehung, die das Sterblich-Nichtige hintenansetzt. „Siehe, es war sehr gut“, das wird wachsen, außerhalb von uns, in uns. Wenn wir es auch so sehen.

Iris Schmitt ist seit 2018 Pfarrerin in Niederkirchen bei Kaiserslautern.

Gebet

Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand, Gott. Das ist meine Wahrheit und meine Freude. Immerfort blickt mich dein Auge an, und ich lebe aus deinem Blick. Du bist mein Schöpfer und mein Heil. Lehre mich, hier in deiner Gegenwart. Dass ich das Geheimnis verstehe, dein Geschöpf zu sein. Dass ich durch dich und vor dir und für dich bin. Amen.

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Adam und Eva im Garten Eden. Bild von Johann Wenzel Peter (1745–1829). Foto: wiki, PD
Adam und Eva im Garten Eden. Bild von Johann Wenzel Peter (1745–1829). Foto: wiki, PD

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