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Cannabis und die Laster-Summen-Theorie

von Klaus Koch

In diesen Tagen ist es besonders spürbar: Tatsächliche und gefühlte Wahrheiten können deutlich voneinander abweichen. So ist etwa der Kenner unseres schönen und lebensfrohen Bundeslandes im ersten Moment geneigt, das Ergebnis einer neuen Krankenkassenstudie direkt ins Reich der "Fake News" zu verweisen. Rheinland-Pfalz, so heißt es da im Brustton der Überzeugung, sei das Bundesland mit den wenigsten Alkoholikern. Sapperlot, Alltagseindrücke können täuschen.

Doch der Befund über die trinkfaulen Rheinland-Pfälzer hat auch einen Haken. Aus der Sozialpsychologie wissen wir, dass Menschen, die sich auf einem Gebiet vorbildlich verhalten, darauf so stolz sind, dass sie in anderen Bereichen eher schludern. Daraus resultiert die ernüchternde Erkenntnis, dass der Mensch sich noch so sehr bemühen kann, am Ende bleibt die Summe seiner Laster doch konstant. Ein harter Schlag für alle, die mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet sind.

Die Laster-Summen-Theorie wirft denn auch unweigerlich die Frage auf: Welchen Unarten frönen die Bewohnerinnen und Bewohner des Landes der Reben, wenn es erwiesenermaßen nicht in erster Linie das Trinken ist? In diesem Zusammenhang kommt nun der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ins Spiel. Der Grüne aus dem Schwabenländle ließ verlauten, die Landwirte in Deutschland stünden bereit, um großflächig Cannabis anzubauen, wenn dieses Suchtmittel denn endlich legalisiert sei.

Was, wenn zwischen der Alkoholiker- und der Cannabis-Meldung ein Zusammenhang bestünde? Steigt der Rheinland-Pfälzer aufs Kiffen um? Das würde den vielen düsteren Zukunftsbildern dieser Tage ein weiteres hinzufügen: Die Blicke des Wanderers in den sechs rheinland-pfälzischen Weinanbaugebieten Pfalz, Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe und Rheinhessen schweifen nicht mehr über Weinberge sondern über Hanffelder. Eine Vorstellung, die auch mit einem Gläschen trockenen Rieslings nicht zu ertragen ist.

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Wanderer im Weinberg am Mittelrhein: Hanffelder sind für sie keine Alternative. Foto: epd.
Wanderer im Weinberg am Mittelrhein: Hanffelder sind für sie keine Alternative. Foto: epd.

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