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Buße klingt alt und bleibt aktuell

von Florian Riesterer

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her, dass der Buß- und Bettag in fast allen Bundesländern abgeschafft wurde – der Finanzierung der Pflegeversicherung wegen. ­Gottesdienst gefeiert wird dennoch an vielen Orten der Landeskirche. Buße, der Begriff klingt antiquiert, nicht in die Jetzt-Zeit gehörend. Buße assoziiert Strafe, erinnert an Menschen, die sich geißeln, in Säcke gehüllt durch die Straßen wandeln. „Das wirst du mir büßen!“, verheißt im Film nichts Gutes.

Dabei bedeutet Buße aus dem Hebräischen übersetzt Umkehr. In Notzeiten wurden schon im Mittelalter solche Buß- und Bettage angesetzt, im Dreißigjährigen Krieg fast wöchentlich. Aufgerufen wurde zur ­Umkehr, einem Ändern des eigenen Verhaltens hin zu Gott. Auf dass die Menschen ­verschont würden wie einst in Ninive. In ­Jesu Gleichnis vom verlorenen Schaf geht es dann nicht mehr um drohende Strafe. Gott freut sich über eine solche Umkehr.

Der Kapitalismus beäugt Umkehr jedoch misstrauisch. Werbung verspricht „Genuss ohne Reue“, bereut wird allenfalls öffentlichkeitswirksam, um Fehler in einer auf Perfektionismus getrimmten Welt einzugestehen. Dabei ist Reue psychologisch gesehen das Gefühl der Schuld und der Wunsch nach Wiedergutmachung. Und so ist sie das, was Mitmenschlichkeit erst möglich macht, nicht nur dem eigenen Nutzen folgen lässt. Beten lässt innehalten – und nachdenken, was das eigene Verhalten bewirkt für den Nächsten, für eine Gruppe, ja die ganze Erde, im Guten wie im Schlechten. So wird Umkehr möglich. In diesem Sinn stehen auch die täglichen Klimagebete zur Weltklimakonferenz in der Tradition dieser Bettage. Ein Buß- und Bettag also ist trotz seines antiquierten Namens nötig – egal wann.

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    QjJDleGxMNhZpXt 13/11/2021 um 09:08
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    soZBAhGF 13/11/2021 um 09:08
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    uVjAbNWylPDqLESe 13/11/2021 um 06:51
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    onFBKQqyR 13/11/2021 um 00:07
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    eraiVybk 13/11/2021 um 00:07
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    AVGjTzik 12/11/2021 um 15:54
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