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Bleibende Heimat

Andacht zum vorletzten Sonntag des Kirchenjahres

von Pfarrer Frank Biebinger

Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, dass wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht nackt befunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden wollen, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.

2. Korinther 5, 1–10

„Komm, bau’ ein Haus, das uns beschützt, pflanz’ einen Baum, der Schatten wirft. Und beschreibe den Himmel, der uns blüht, und beschreibe den Himmel, der uns blüht.“ Beim Lesen des Textes ist mir dieses Lied aus meinen Jugendtagen eingefallen. Wir haben es im Religionsunterricht gesungen. Hier ist vom irdischen Hausbau die Rede, doch zugleich dringt für mich die Vision von einem Haus hindurch, das nicht von Menschenhänden gemacht ist. Ein Gebäude, das nicht nur ein irdisches Zuhause bietet, sondern bleibende Heimat. Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass eine Wohnung für uns Menschen zu den Dingen gehört, die das Leben lebenswert machen.

Was gehört für Sie zu einem Haus, in dem Sie sich wohlfühlen? Für mich gehört dazu ein Wohnzimmer mit einer gemütlichen Couch, mit Blick in den Garten, in dem im Frühjahr ein Apfelbaum blüht, dessen Früchte man im Sommer ernten kann. Ich wünschte mir einen Kamin, an dessen Feuer man sich im Winter Hände und Füße angenehm wärmen kann, mit züngelnden Flammen in allen möglichen Farbtönen von Gelb, Orange bis Rot, zum Bestaunen und Verweilen. Ein Zuhause ist nicht nur ein Wohnort, sondern ein Lebensraum. Und wie schrecklich ist es, wenn dieses Zuhause durch Naturgewalten oder durch Krieg zerstört wird …

Wie viele Menschen, deren Häuser durch die Flutkatastrophe an der Ahr einfach weggespült oder durch die eindringenden Fluten und den Schlamm unbewohnbar wurden, sehnen sich nach einer neuen Behausung, nach einem „Haus, das uns beschützt“.

Paulus verwendet das Bild des Hauses für unseren Körper. Auch unser Leib ist mehr als ein biologischer Organismus. Er ist verbunden mit Geist und Seele. Mit Gefühlen und Erinnerungen. Er macht meine Identität aus. Mein ganzes Leben hängt an ihm. Ich wohne nicht nur in meinem Körper. Ich lebe in ihm. In meinem Lebenshaus habe ich mich eingerichtet. Es mir gemütlich gemacht. Es gibt einige Baustellen. Aber meistens fühle ich mich wohl in meiner Haut. Ich möchte eigentlich gar nicht mehr raus. Und bisweilen gibt es für mich auch Zeiten, in denen ich mir wünsche, meinen Körper zu verlassen. Weil Schmerzen unerträglich sind. Oder das Leben zur Last wird. In jedem Fall ist mir bewusst: Mein Körper ist vergänglich. Mein irdisches Leben wird enden. Dieses Haus, das ich bewohne, ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Irgendwann wird auch mein Körper vergehen, wie es in der zweiten Schöpfungsgeschichte heißt: „Zu Erde wirst du wieder werden, davon du genommen bist.“ Das weiß ich. Und zugleich schmerzt es mich. Ich frage mich: Was bleibt? Was kommt danach?

Paulus stellt klar, dass das irdische Leben nicht für die Dauer bestimmt ist, sondern eines Tages wie eine „Hütte“ abgebrochen wird. Doch er stellt es sich so vor, dass ich dann nicht ohne Körper sein werde, sondern dass dieser verwandelt und mit einem „himmlischen Kleid“ bedeckt wird. Wie heißt es an anderer Stelle: „Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib“ (1. Korinther 15, 42).

Entscheidend ist für Paulus, dass Gottes guter Geist in diesem meinem Körper wohnt und wirkt, dass er mit mir für die Zukunft etwas vorhat. Und nicht nur mit mir verhält es sich so, sondern mit allen Menschen, denn wir sind seine Geschöpfe. Das stimmt mich zufrieden und tröstlich, denn als Christinnen und Christen dürfen wir darauf hoffen, dass wir Menschen nach diesem Leben bei ihm, in seiner neuen Welt, eine bleibende Heimat finden werden.

Dr. Frank Biebinger ist seit 2002 Pfarrer in Bad Dürkheim.

Gebet

Ewiger Gott, nun sind wir hier. In deinem Haus. Atmen deinen Geist. Hören auf dein Wort. Wir bitten dich: Lass uns deine Liebe spüren und deine Vergebung annehmen. Stärke uns in der Hoffnung, dass wir bei dir geborgen sind in Ewigkeit. Amen.

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2. Korinther 5, 1: "Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel." Foto: pixabay
2. Korinther 5, 1: "Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel." Foto: pixabay

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