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Bistumsleitung informiert sich über Lage vor Ort

Lage in der Corona-Pandemie als Thema - Bischof Wiesemann: Kirche wird nicht mehr so sein wie vorher

Vertreter der Speyerer Bistumsleitung haben alle 70 katholischen Gemeinden kontaktiert, um mehr über deren Situation in der Corona-Pandemie zu erfahren. Diese sogenannten Pastoralbesuche machten nach Angaben des Bistums Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Weihbischof Otto Georgens, Generalvikar Andreas Sturm, Ordinariatsdirektorin Christine Lambrich und Domkapitular Franz Vogelgesang. Die Besuche hätten teils als Videokonferenz, teils in Form von Begegnungen vor Ort stattgefunden. Damit „wollten der Bischof und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Zeit tiefer Verunsicherung und Umbrüche ihre Verbundenheit mit den Gemeinden vor Ort zeigen und mit Haupt- und Ehrenamtlichen über die aktuelle Situation ins Gespräch kommen.“

Weihbischof Georgens zeigte sich laut Mitteilung beeindruckt von den vielen neuen Gottesdienstformaten: „Ob Küchenkirche, Sonntagsbriefe, Telefonandachten, Krippenfeiern ,to go‘ oder Online-Taufkatechesen: Corona war für viele Pfarreien ein Anlass, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren." Auch wenn manches davon aus der Not heraus geboren worden sei, wollten viele Pfarreien auch nach Corona an den neuen Gottesdienst- und Verkündigungsformaten festhalten. Dazu könne er sie nur ermutigen, sagte Georgens. Der Weihbischof weiß aber auch um die negativen Auswirkungen der Pandemie: „In vielen Pfarreien haben sich Jugendgruppen und Chöre seit eineinhalb Jahren nicht mehr getroffen, und es ist fraglich, ob sie überhaupt weiter bestehen werden.“

„Vor allem die Bestattungen im kleinen Kreis und auf Distanz seien nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger sehr belastend gewesen, berichtet Christine Lambrich, die Leiterin der Personalabteilung. Ebenso seien Besuche in Altenheimen, Krankenhäusern und Kindertagesstätten nur unter erschwerten Bedingungen oder gar nicht möglich gewesen. Dennoch könne sie die Behauptung, die Kirche sei in der Pandemie nicht sichtbar gewesen, nicht teilen. "Unsere Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten haben alles daran gesetzt, mit Menschen in Kontakt zu treten und Trost aus dem Glauben zu schenken.“ Immer wieder, so Lambrich, wurde bei den Pastoralbesuchen auch von „positiven Nebenwirkungen“ der Pandemie erzählt: „Bei nicht wenigen hat Corona dazu geführt, sich wieder stärker auf das Wesentliche des Glaubens zu konzentrieren. Viele Haupt- und Ehrenamtliche haben in dieser Zeit den Wert des Gebets, die Bedeutung der Stille und das Miteinander im Pastoralteam oder in pfarrlichen Gruppen neu schätzen gelernt.“

Generalvikar Sturm freut sich der Mitteilung zufolge, dass die Angebote des Bistums von den Pfarreien dankbar aufgegriffen worden seien: „Bei den Pastoralbesuchen wurde mir immer wieder gesagt, wie wertvoll die Hausgebete und die Impulse zu Katechese, zur Arbeit mit Senioren oder zur Trauerpastoral waren.“ Sturm zufolge hat Corona in vielen Pfarreien einen „regelrechten Digitalisierungsschub“ ausgelöst: „Gestreamte Gottesdienste, Bibelteilen online oder Gremiensitzungen per Videokonferenz: All das hat Nähe trotz Abstandsgebot ermöglicht.“ Doch hat Corona, wie Sturm betont, zugleich den unverzichtbaren Wert persönlicher Begegnungen deutlich gemacht: „Gerade die Erstkommunion- und Firmfeiern im kleineren Kreis wurden von vielen als wertvoll und dichter als sonst erlebt.“ Bei den Pastoralbesuchen kamen dem Generalvikar zufolge aber auch Konflikte zur Sprache, etwa wegen der Corona-Regelungen: In manchen Gemeinden sei es zu Spannungen gekommen wegen der Frage, ob trotz hoher Inzidenzwerte Gottesdienste gefeiert werden sollen oder doch besser abgesagt werden müssen.

„Mit den Pastoralbesuchen wollten wir auch den Blick der Pfarreien über den eigenen Kirchturm hinaus weiten“, sagt Domkapitular Vogelgesang. „Jeder Besuch war mit einer Begegnung im Sozialraum verbunden." Dabei habe Corona den Wert konkret gelebter Nächstenliebe wieder neu bewusst gemacht: in ökumenischen Nachbarschaftshilfen, in Spendenaktionen für Künstler und andere besonders betroffene Berufsgruppen, in der Einrichtung von Kleiderstuben oder in der Bereitstellung kirchlicher Räume für schulische Ganztagesangebote“. In all dem, so Vogelgesang, sei Kirche zum „Segensort“ geworden: zu einem Ort, „an dem Menschen in ihrer konkreten Not gesehen werden und Gottes Menschenfreundlichkeit erfahren“.

Bischof Wiesemann, der wegen seiner längeren Krankheit nur wenige Pfarreien persönlich besuchen konnte, fasst die Rückmeldungen der Pfarreien und seine Eindrücke so zusammen: „Wir müssen uns ehrlich eingestehen, dass wir manche, vor allem ältere Menschen in dieser Zeit zu sehr aus dem Blick verloren haben, etwa weil ihnen die technischen Voraussetzungen für digitale Begegnungen fehlen." Für Wiesemann haben die Pastoralbesuche gezeigt, dass die Kirche nach Corona nicht mehr so sein werde wie früher. Und er fügt hinzu: „Es gilt, das beizubehalten, was wir in dieser Krise schmerzhaft neu oder tiefer gelernt haben: das Bewusstsein der eigenen Verwundbarkeit, den unschätzbaren Wert konkreter Hilfsbereitschaft und globaler Solidarität, und die Bereitschaft, im Vertrauen auf Gottes Geist neue Wege des Kirche-Seins zu gehen.“ is

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Hilfe in Corona-Zeiten: Katholische Pfadfinderinnen bieten Einkaufservice an. Foto: Bistum
Hilfe in Corona-Zeiten: Katholische Pfadfinderinnen bieten Einkaufservice an. Foto: Bistum

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