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Auf die weibliche Seite Gottes schauen

Nach 25 Jahren verlässt die feministische Theologin Martina Horak-Werz die Gemeinde Gommersheim

„Martina, wir haben ein Problem.“ Vor 25 Jahren meldete sich Eberhard Cherdron, der damalige Personaldezernent der Landeskirche, bei Pfarrerin Horak-Werz. Nach vier Jahren Dienst in Südafrika sollte sie Pfarrerin in Gommersheim werden. Doch dort, so hatte eine Abordnung Cherdron mitgeteilt, wolle man nicht schon wieder eine Frau.

Heute lacht Horak-Werz darüber. „Damals war ich wütend.“ Jetzt erst recht, habe sie gedacht. Und 25 Jahre später sagt sie immer noch: Der Pfarrberuf ist der schönste Beruf der Welt. Das war vor über 35 Jahren nicht selbstverständlich. Bevor sie im Studium mit der feministischen Theologie in Berührung gekommen ist, habe ihr in ihrem Glauben etwas gefehlt, das sie nicht erklären konnte.

Doch der Einsatz für eine feministische Theologie sei nicht gerade karrierefördernd gewesen, sagt Horak-Werz. In Führungspositionen wurden Frauen am Ende des vergangenen Jahrtausends selten gewählt, als ausgewiesene feministische Theologinnen eher gar nicht. Deshalb freut sie sich über die erkennbaren Fortschritte: Der Landeskirchenrat besteht zurzeit aus einer Kirchenpräsidentin, drei Oberkirchenrätinnen und zwei Oberkirchenräten. „Es hat sich was getan“, sagt sie. Doch alles erreicht ist noch lange nicht. Frauenkreise blieben weiter wichtig, um über frauenspezifische Themen zu reden. „Und wir müssen mehr auf die weiblichen Seiten Gottes schauen.“

Horak-Werz gehört einem internationalen Kreis von Frauen an, die feministisch predigen. „Aber ich falle nicht mit der Tür ins Haus.“ Bei behutsamem Vorgehen entwickelten Kirchengemeinden sich weiter. So habe sie keine Gruppe „feministische Theologie“ ins Leben gerufen, sondern einen Kreis „Frauen lesen die Bibel mit Frauenaugen“. Und sie nutzt bei ihren Predigten manchmal auch die Bibel in gerechter Sprache. „Leider fällt das immer seltener auf, weil die Menschen immer weniger Bibelkenntnis haben.“

Im Spätjahr verlässt Horak-Werz Gommersheim. In den vergangenen Jahren habe sie regelmäßig Kinder ihrer ehemaligen Konfirmanden getauft. Da habe sich ein Kreis geschlossen, denn sie sei gerne Pfarrerin für die ganze Familie gewesen. Nun wolle sie in den letzten Berufsjahren nochmal etwas Neues machen. Sie wird im Dekanat Neustadt zuständig für Bildungsarbeit und wird Vertretungen machen. Feministische Theologie bleibt dabei eines ihrer Themen. Aber auch den digitalen Wandel findet sie spannend. „Die Leute kommen nicht mehr selbstverständlich zu uns. Wir müssen auf unterschiedlichen Wegen zu ihnen gehen.“ koc

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Behutsam und zielstrebig: Martina Horak-Werz macht zukünftig Bildungsarbeit und Vertretungen. Foto: Iversen
Behutsam und zielstrebig: Martina Horak-Werz macht zukünftig Bildungsarbeit und Vertretungen. Foto: Iversen

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