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Auf der Suche nach dem Frieden

Evangelische Jugendzentrale Landau kooperiert bei Jugendfreizeit erstmals mit Deutschem Alpenverein

Bleipatronen und Granatsplitter – das hatten Jugendliche aus dem Kirchenbezirk Landau nach einer Freizeit in den Dolomiten im Gepäck. Mehrere Tage lang wanderten sie auf den Spuren des Ersten Weltkriegs. Italienische und österreichische Truppen lieferten sich in mehreren tausend Metern Höhe erbitterte Stellungskämpfe, Zigtausende Soldaten kamen uns Leben. Bei den Jugendlichen hinterließ die Freizeit bleibende Eindrücke – und das Bewusstsein, dass Frieden nichts Selbstverständliches ist.

Erstmals bot die Jugendzentrale Landau eine Freizeit gemeinsam mit der Sektion Landau des Deutschen Alpenverein (DAV) an. „Ich versuche, christliche Werte über Erlebnisse in Gemeinschaft zu vermitteln, da bietet sich das an“, sagt Dekanatsjugendreferentin Constanze Harant, seit 2020 in Landau. „Missionieren will ich nicht.“ Und grundsätzlich sei das Klientel des DAV eines, das dem Thema Glauben offen gegenüberstehe, schätzt Harant, die ehrenamtlich bei der DAV-Sektion Ludwigshafen im Einsatz ist.

Der Landauer Pfarrer Jürgen Leonhard sieht das ähnlich. Leonhard ist seit seiner Jugend DAV-Mitglied bei der Sektion Speyer, war später DAV-Landesjugendleiter in Rheinland-Pfalz und dem Saarland und stellvertretender Bundesjugendleiter. „Ich wurde immer wieder als Pfarrer vom DAV angefragt“, sagt Leonhard. Zuletzt hielt er 2019 mit einem katholischen Kollegen zusammen einen Gottesdienst an den Fladensteinen in Bundenthal anlässlich des Jubiläums eines der wenigen Gipfelkreuze auf Pfälzer Kletterfelsen.

Der DAV sei mittlerweile vor allem ein Naturschutzverband, „da kann ich gut predigen“, sagt Leonhard zur thematischen Nähe von christlicher Schöpfungsverantwortung und Wandern. „Wir sind in erster Linie ein Sportverein“, sagt Renate Seidler, Vorsitzende des DAV Neustadt. Viele seien Kirchenmitglieder, explizit widme der DAV sich dem Glauben aber nicht. „Wobei natürlich Wanderungen durch Gottes Schöpfung dazu anregen, über den eigenen Standpunkt nachzudenken“, sagt Seidler. Immer wieder merkt auch Leonhard bei Touren, wie existenzielle Fragen aufkämen bei Mitwanderern. „Man kommt ins Gespräch. Und wenn man will, kann man diese Dinge thematisieren.“

So reifte bei den Beteiligten die Idee zur Freizeit. Landesjugendpfarrer Florian Geith habe ihn gerne durch das Konzept zur mobilen Gedenkstättenarbeit unterstützt, sagt Leonhard. Die Jugendlichen wiederum kamen in den Dolomiten über existenzielle Fragen ins Gespräch – nicht nur durch das Wandern, sondern über das Thema der Freizeit. „100 Jahre sind für uns wahnsinnig lang her, doch auf dieser Freizeit wurde für uns der Wahnsinn des Kriegs greifbar“, sagte einer der Teilnehmerinnen bei einem Jubelkonfirmations-Gottesdienst, den die Jugendlichen im Nachgang in der Landauer Stiftskirche gestalteten. „Wir haben gelernt, dass fremdenfeindliche Stimmung, rassistische Bemerkungen Hass schüren und der Nährboden für Gewalt und Krieg sind“, sagte eine andere Teilnehmerin.

Die Jugendlichen wanderten auf den Monte Piano, wo sich auf rund 2300 Metern Höhe Österreicher und Italiener auf zwei benachbarten Gipfeln gegenüberstanden – in Sichtweite. Als sie dort ein Gewitter überraschte, mussten die Jugendlichen Zuflucht suchen – und fanden Schutz in einem Kriegsstollen aus dem Ersten Weltkrieg. Während das Wasser dort stieg, hätten die Jugendlichen eine Vorstellung davon bekommen, wie die Situation dort für die Soldaten erst im Winter wohl gewesen sein muss, berichtet Leonhard.

Auch der Falzaregopass führte den Jugendlichen den Krieg vor Augen. Sie wanderten auf dem in den Berg gehauenen Weg, den die Italiener auf 639 Höhenmetern Länge anlegten, um die Österreicher vom Gipfel zu sprengen. Auf dem Lagazuoi erläuterte ein Mitarbeiter des Freilichtmuseums das Grauen des Kriegs. „Ich habe auf der Tour immer wieder aus dem Tagebuch eines katholischen Soldaten vorgelesen“, sagt Harant. Dessen Erlebnisse hätten Fragen provoziert etwa nach dem Begriff der Sünde: „Kann ich als Christ im Krieg kämpfen?“ Oder: „Wie sieht das Leben nach dem Tod aus?“ Florian Riesterer

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Gemeinsames Erlebnis in Gottes grandioser Schöpfung: Die Pfälzer Jugendlichen beim Wandern in den Dolomiten. Foto: pv
Gemeinsames Erlebnis in Gottes grandioser Schöpfung: Die Pfälzer Jugendlichen beim Wandern in den Dolomiten. Foto: pv
Erläutert Teilnehmern der Freizeit den Stellungskrieg in den Dolomiten: Rolf Bihlmeyer. Foto: pv
Erläutert Teilnehmern der Freizeit den Stellungskrieg in den Dolomiten: Rolf Bihlmeyer. Foto: pv

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    eKkXrmGASIYUT 11/10/2021 um 06:31
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    NODqyelwVhZmJXLf 11/10/2021 um 06:31
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    jhQbAkVePTng 11/10/2021 um 01:12
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    sDpYUwoJQP 11/10/2021 um 01:12
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