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Armen Kindern vom eigenen Wohlstand abgeben

Bundesweite Eröffnung von „Brot für die Welt“ in Speyer – Fernsehgottesdienst aus der Gedächtniskirche – Trifels-Schüler gestalten Kunst

Die 62. evangelische Spendenaktion „Brot für die Welt“ wird am Sonntag, 29. November, bundesweit mit einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche der Protestation in Speyer eröffnet. Dieses Jahr würden besonders weltweite Projekte gefördert, die Kinder vor ausbeuterischer Kinderarbeit schützten und ihnen den Schulbesuch ermöglichten, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von „Brot für die Welt“, bei der Vorstellung der Aktion. Der Gottesdienst zur Eröffnung der diesjährigen Aktion, die das Motto „Kindern Zukunft schenken“ trägt, beginnt um 10 Uhr und wird live in der ARD übertragen. Maximal 150 Besucher können in der Kirche teilnehmen.

Weltweit litten mehr als 150 Millionen Mädchen und Jungen unter Kinderarbeit, betroffen sei fast jedes zehnte Kind im Alter zwischen fünf und 17 Jahren, sagte Füllkrug-Weitzel. Die Corona-Pandemie habe zu einem deutlichen Anstieg der Kinderarbeit geführt. Die evangelische Kirche und ihr Hilfswerk forderten vehement ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen für Menschenrechtsverstöße im Ausland haftbar mache.

Kinderporträts und lebensgroße Kinderpuppen aus Paketklebeband in der Kirche, Letztere insipiriert vom Streetart-Künstler Mark Jenkins, sollen zum Nachdenken anregen, irritieren. Die Werke sind seit den Sommerferien in Kunst-Leistungskursen der Klassen 12 und 13 am Evangelischen Trifelsgymnasium Annweiler unter Anleitung der Kunsterzieherinnen Meike Porz und Annika Lochbaum entstanden. „Während wir ganz feierlich Gottesdienst feiern, arbeiten an andere Orten Kinder. Nicht alle haben solches Glück wie wir“, sagte die 18-jährige Schülerin Lara Giebel aus Spirkelbach. „Wenn man so viele Stunden vor dem Bild sitzt, macht man sich Gedanken. Das Thema ist nicht mehr abstrakt, sondern zum Greifen nah“, sagte Mara Neumayer aus Queichhambach zu der Wirkung des Kunstprojekts auf die Schülerinnen und Schüler. „Wem können wir von unserem Wohlstand abgeben?“, diese Frage wolle das Projekt in den Köpfen der Betrachter erzeugen, erklärte die 19-Jährige. Sie gestaltet mit Giebel zusammen stellvertretend für die Kunst-Leistungskurse den Gottesdienst mit.

Füllkrug-Weitzel äußerte sich besorgt über mögliche Einbußen bei den Kollektensammlungen in den Kirchengemeinden im Advent und an Weihnachten. Im vergangenen Jahr seien so Gelder in Höhe von 64 Millionen Euro zusammengekommen. Wenn es bei den Kollekten in der Weihnachtszeit zu Einbußen käme, dann wäre schnell „ein Minus im zweistelligen Millionenbereich“ denkbar, sagte Füllkrug-Weitzel. Den Kirchengemeinden seien Anregungen gegeben worden, wie unter Corona-Bedingungen Spenden gesammelt werden könnten, etwa online. Mit Adveniat, dem Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche, sei die Website „www.weihnachtskollekten.de“ freige­schal­tet worden.

In der Landeskirche wurden im vergangenen Jahr für „Brot für die Welt“ mehr als 1,12 Millionen Euro gesammelt, rund 85000 Euro mehr als im Vorjahr, informierte Kirchenpräsident Christian Schad. Die Landeskirche unterstütze in diesem Jahr drei Projekte, sagte Pfarrerin Sabine Jung aus dem Vorstand der Diakonie Pfalz. Im westafrikanischen Sierra Leone solle Kindern ein Schulbesuch ermöglicht werden, auf der Karibikinsel Haiti werde ein Projekt gegen Säuglingssterblichkeit unterstützt. Im ostafrikanischen Sambia werde ein landwirtschaftliches Projekt gegen die Folgen der Dürre durch den Klimawandel gefördert.

Die Liturgie beim Eröffnungsgottesdienst wird gestaltet von Cornelia Füllkrug-Weitzel sowie Kirchenpräsident Christian Schad, der auch die Predigt hält. Ministerpräsidentin Malu Dreyer spricht ein Grußwort. Die musikalische Gestaltung übernehmen Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald (Leitung), das Vokalensemble „Fünf stimmig“, Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger (Orgel und Piano) sowie ein Bläserquartett der Evangelischen Posaunenarbeit der Pfalz unter der Leitung von Landesposaunenwart Christian Syperek. all/flor