Andacht

Als Messias und König

Andacht zum Sonntag Kantate

von Pfarrerin Iris Schmitt

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19, 37–40

Halleluja – Friede im Himmel! Und auf Erden? Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menschen jubeln, begrüßen ihn enthusiastisch als seine Jünger, mit „Halleluja“ und voller Ehrerbietung. Jesus reitet auf einem Eselsfüllen. Eigentlich ein sehr bescheidener Auftritt. Das würden weltliche Herrscher ganz anders zelebrieren – mit Pomp und Pauken, mindestens. Und doch scheint auch ­Jesus diese Aufmerksamkeit, diesen ­„Hype“ um ihn zu genießen.

Die Menschen, die Schar der Jünger, rufen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Das erinnert ein bisschen an den Freudenjubel der Engel an Weihnachten.

Den umherstehenden Pharisäern, frommen Leuten, ist dieses Geschreie, sind diese Lobgesänge doch zu viel des Guten. Was denkt sich dieser Jesus, einfach göttliche Attribute – von Menschen zwar laut ausgerufen – doch für sich selbst zu beanspruchen? Für die Pharisäer wird wieder einmal deutlich: Dieser Jesus macht weiter nichts als Ärger. Er ist und bleibt ein Unruhestifter. Einer, der ein ganzes Volk (k)irre machen kann. Und doch versuchen es die Pharisäer mit einem Kompromissgespräch: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ Interessant, dass sie Jesus als „Meister“ bezeichnen.

Für diese frommen Gelehrten ist also doch etwas dran an Jesus – ein Abglanz von Gottes Herrlichkeit. Mag sein, dass sie von dieser Erkenntnis zunächst ganz und gar überrumpelt sind. Aber es dämmert ihnen wohl doch mit der Zeit, dass Jesus nicht nur ein geistbegabter Prophet ist. Dennoch: Gerade im Hier und Jetzt bei uns ist der Messias präsent? Das übersteigt vielfach menschlichen Geist und Sinn, auch den von religiösen Gelehrten.

Die Pharisäer wissen vielleicht doch ganz tief in ihren Herzen: Jesus ist einer, der von Gott gesandt wurde. Er hat eine Mission. Aber ist er auch der Messias? Wie dem auch sei – wir raten ihm besser, nicht so viele Jubelschreie und „Hosiannas“ zu genießen. Es gibt da in der Stadt Leute, die ihm nach dem Leben trachten. Warnen wir Jesus besser, versuchen wir, diesem „Hype“ um ihn ein Ende zu bereiten.

Jesus geht inhaltlich auf die Bitte der Pharisäer ein. Aber seine Antwort klingt doch auch wieder merkwürdig: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Wie bitte? Was soll das nun schon wieder bedeuten? In den folgenden Versen berichtet der Evangelist Lukas, dass Jesus über den Anblick der Heiligen Stadt Jerusalem weint. Jesus sieht dabei schon die Zerstörung der Stadt voraus.

„Die Steine werden schreien!“ Alles in der Stadt, Gebäude wie Menschen, werden vernichtet werden. Ein grausames Szenario! Und warum das alles? „Weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.“

Was nehmen wir heute am Sonntag „Kantate – singt dem Herrn!“ von diesen Worten Jesu mit? Wie bringen wir die Frohe Botschaft unter die Leute? Mit „Halleluja“ oder wie tote Steine? Jesus sagt: Macht euch keine Sorgen. Ich kümmere mich darum. Und wenn ich die Steine schreien lassen muss: Die Botschaft wird ihren Weg finden.

Für mich persönlich finde ich das sehr tröstlich und entlastend, aber auch ermutigend. Ich soll nicht die Hände in den Schoß legen. Ich bin dazu aufgerufen, mich auch weiterhin für die biblischen Werte einzusetzen. Aber da, wo meine Kraft manchmal nicht ausreicht, da springt Jesus in die Presche, da lässt er die Steine schreien.

Ich habe alles in der Hand, sagt Jesus. Und ich führe es zum guten Ende. Dafür bin ich nach Jerusalem gegangen, als Messias und König. Dafür hab‘ ich mich ans Kreuz schlagen lassen und bin auferstanden. Dafür sitze ich im Himmel und regiere zur Rechten Gottes: damit euer Leben zu einem guten Ende kommt, hier bei mir in der Ewigkeit.

Iris Schmitt ist ­Pfarrerin der ­Kirchengemeinde Niederkirchen-­Heimkirchen und Mitglied der ­Landessynode.

Gebet

Herr Jesus, schenk uns gerade in diesen turbulenten Zeiten die Gelassenheit, dir und deinem Weg mit uns zu vertrauen – auch, wenn es uns schlecht geht. Und lass diese Gelassenheit zu neuem Mut führen, für dich und deine Botschaft aufzustehen. Amen.