Kommentar

Aktionswoche erreicht Kirchenbasis nicht mehr

von Tilman Baier

Gäbe es keine kirchlichen Medien, wäre die bundesweite ökumenische „Woche für das Leben“, die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen ist, ohne größere Beachtung an der Öffentlichkeit vorbeigegangen. Dabei war das Thema von Interesse. Denn für dieses Jahr hatten sich die Veranstalter auf das strittige und hochemotionale Thema „Sterbebegleitung“ geeinigt, in dem es um ein Ende des Lebens in Würde geht.

Deutliche, ja streitbare Worte dazu waren von führenden Kirchenvertretern beim Eröffnungsgottesdienst in Augsburg gefallen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, sprach im Blick auf die Möglichkeit des assistierten Suizids von einem Dammbruch. Und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hatte erneut abgelehnt, die Möglichkeit, sein Leben mit fremder Hilfe zu beenden, in kirchlichen Heimen und Kliniken zuzulassen. Zwar meldeten sich daraufhin auch Funktionäre der Ärzteschaft und Patientenvertreter zu Wort, doch ansonsten blieb die Resonanz auf die „Woche für das Leben“ selbst in der kirchlichen Öffentlichkeit auffallend gering. Die pfälzische Landeskirche etwa hat sich nicht beteiligt.

Das liegt nicht nur daran, dass nun bereits zum zweiten Mal die Corona-Pandemie Präsenzveranstaltungen in Kirchengemeinden und Einrichtungen von Diakonie und Caritas verhindert hat. Schon davor gab es zunehmenden Schwund der Beteiligungen an der Basis. Dabei konnte diese Aktion, 1991 auf Initiative des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie der katholischen Bischofskonferenz gestartet und seit 1994 mit der Beteiligung der EKD, in den ersten Jahren viele Veranstaltungen in kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden anstoßen, die sich mit dem Schutz jeglichen menschlichen Lebens beschäftigten.

Den Anspruch, an der Basis zur Bewusstseinsbildung beizutragen, hat die Aktionswoche heute noch. Aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit, sich einzugestehen, dass sie inzwischen vor allem ein offizieller Veranstaltungstermin im Kalender von einigen Funktionären ist. Und damit steht die „Woche für das Leben“ nicht allein da. Auch andere bundesweite Aktionen, die früher eine große Resonanz hatten, dümpeln derzeit vor sich hin. Zwar gibt es noch einige Gemeinden, die während der ökumenischen Friedensdekade im November Veranstaltungen anbieten. Doch trotz guten Materials, das eine Vorbereitungsgruppe jedes Jahr anbietet, ist die Beteiligung stark zurückgegangen. Auch die Beteiligung an den Ostermärschen ist überschaubar geworden.

Das sagt nichts über die Bedeutung der Themen solcher Veranstaltungen. Wohl aber etwas über das, was Menschen an der Basis zurzeit beschäftigt. Deshalb ist es wohl besser, Aktionen wie die „Woche für das Leben“ offiziell zu beenden, als zuzuschauen, wie sie sich irgendwie totlaufen.