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175 Jahre im Dienst an Rhein und Saar

Liebe Leserinnen und Leser,

der KIRCHENBOTE könnte in diesen Tagen seinen 175. Geburtstag feiern, wenn es die Corona-Pandemie nicht gäbe und es möglich wäre, große Feste mit zahlreichen Besuchern verlässlich zu planen. So kamen vor 25 Jahren mehr als 200 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet in die Alte Eintracht nach Kaiserslautern, um den 150. Geburtstag des KIRCHENBOTEN zu feiern. Ein solches Fest findet in diesem Jahr nicht statt und soll mit Blick auf die neue Medienlandschaft im Bereich der pfälzischen Landeskirche 2022 unter dem Motto „175 Plus“ nachgeholt werden.

Ganz übergehen konnten wir den 175. Geburtstag der ältesten Kirchenzeitung in Deutschland natürlich nicht. Wir haben Ihnen daher in dieser kleinen Beilage auf vier Seiten zusammengestellt, was die Redaktion des Medienhauses, in dem der KIRCHENBOTE erscheint, in diesen Tagen bewegt: ein Schlaglicht auf unsere inhaltlichen Anliegen, unsere aktuellen Themen und die mediale Zukunft, die mit „Kirchenbote online“ und ePaper bereits begonnen hat.

Seit Jahresbeginn hatten wir gleich nach den Mittelseiten des KIRCHENBOTEN einen Spaziergang durch 175 Jahre pfälzische Kirchengeschichte unternommen: angefangen bei der Namensänderung der „Vereinigten protestantisch-evangelisch-christlichen Kirche der Pfalz“ in „Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)“ 1978 und beendet mit der Ausgabe zum 3. Oktober 1846.

Dieser 3. Oktober des Jahres 1846 war ein Samstag, an dem der KIRCHEN­BOTE zum ersten Mal erschien. Sein Gründer, Pfarrer Johann Christoph ­Lippert, schrieb damals in seinem Vorwort: „Wir wollen in diesem Blatte die Fragen, Streitigkeiten und Kämpfe ­dieser Zeit besprechen, nicht um den Streit zu nähren, sondern um ihn durch Erkenntnis der Wahrheit zu ­lösen und zum Frieden zu führen.“

Lippert kündigte damit eine publizistische Zielsetzung an, die seine Nachfolger in den vergangenen 175 Jahren nicht aus den Augen verloren, die sich aber häufig als zu groß erwies. Zu groß waren die „Streitigkeiten und Kämpfe“ im 19. Jahrhundert, als der KIRCHENBOTE an der Seite der Erweckungsbewegung Partei ergriff und es zum Beispiel im „Gesangbuchstreit“ hart zur Sache ging. Auch im 20. Jahrhundert unter französischer Besatzung und später im sogenannten „Dritten Reich“ lotete der KIRCHENBOTE im Guten wie im Bösen so manche Grenzen aus.

Eigentlich grenzt es schon an ein kleines Wunder, dass es ihn noch immer gibt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch in der Pfalz viele Kirchenblätter gegründet, von denen einige Aufsehen erregten, die aber alle nur wenige Jahre überlebten. Auch in der nunmehr 175-jährigen Geschichte des KIRCHENBOTEN wurde mehrfach angekündigt, dass er sein Erscheinen einstellt – sei es im Streit zwischen Redakteur und Verleger um die Herausgeberschaft 1853 oder unter dem Eindruck der neuen „Zeitrechnung“ eines 1000-jährigen Reichs 1933.

Damals sollte der KIRCHENBOTE zugunsten eines neuen „Kirchenblattes“ der Gruppe „Deutsche Christen“ eingestellt werden – bis diese auf der Sportpalastkundgebung im November 1933 „die Befreiung vom Alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral“ forderte und alle Hüllen fallen lies. „Der Kirchenbote wird auch nach dem 1. Januar weiter­erscheinen und unabhängig von irgend einer kirchlichen Gruppe seinen Dienst tun. Der Kirchenbote.“, hieß es dann in der ersten Ausgabe des Jahres 1934 auf der Titelseite.

So will der KIRCHENBOTE auch nach 175 Jahren noch das Sonntagsblatt für alle evangelischen Christen in der pfälzischen Landeskirche sein und dazu beitragen, dass die Gemeinschaft unter den Pfälzer Protestanten wächst. Indem er über die Themen und Standpunkte in Kirche und Gesellschaft informiert, will er Anregungen für Gespräche geben. Aber er will auch eine Wochenschrift für Glaubens- und Lebenshilfe sein. Andachten, Meditationen und biblische Betrachtungen zeigen, dass es der Glaube ist, der die evangelischen Christen über alle Meinungsunterschiede hinweg verbindet.

175 Jahre lang hat der KIRCHENBOTE nicht nur seine Leserinnen und Leser, sondern auch die pfälzische Landeskirche begleitet. Er hat Ereignisse und Entwicklungen aufgezeichnet und sie kommentiert. Er hat die pfälzische Kirchengeschichte auf seinen Seiten festgehalten und blieb dabei stets ein Teil von ihr. Für die „Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)“ ist die bundesweit älteste Kirchenzeitung eine einzigartige historische Quelle, die es zu erhalten gilt.

Chefredakteur Hartmut Metzger

Heimat und Heimatlosigkeit

Die Zerstörung im Ahrtal durch die Flutkatastrophe ist gewaltig, das zeigt das Bild oben aus Ahrbrück. Gebäude sind zerstört. Menschen haben liebe Angehörige verloren. Überlebende haben seelische Wunden davongetragen. Unter vielen anderen Helfern waren Notfallseelsorger aus der Pfalz vor Ort im Katastrophengebiet, darunter Pfarrerinnen und Pfarrer. Sie hörten zu, was Flutopfer und überlastete Helfer zu sagen hatten. Viele, die ihr Leben retten konnten, überlegen, fortzuziehen aus einer Region, die ihre Heimat war – und vielleicht doch immer bleiben wird.

Heimat und Heimatlosigkeit sind Themen, die sich immer wieder durch den KIRCHENBOTEN ziehen, mit Sicherheit schon seit seiner Gründung. Menschen, die das Gefühl haben, in „ihrer“ Kirche zu wenig Gehör zu finden mit ihrem Anliegen. Menschen, die auf der Suche nach Halt sind, die in Not sind. Und Menschen, die in ihrem Beruf, ihrem Ehrenamt aufgehen, die für sich in der Kirche, in der Kirchengemeinde ein Stück Heimat gefunden haben, Heimat weitergeben. Für Sie gehört der KIRCHENBOTE zu dieser Heimat dazu, das lässt sich immer wieder heraushören in vielen Gesprächen.

Für Manfred und Marlene Bender ist die Zeitung ein Band, das beide mit der Pfalz verbindet – und mit der eigenen Familie. Manfred Benders Haßlocher Urgroßmutter las schon den KIRCHENBOTEN, danach seine Schwiegermutter, „aus Respekt vor der Frömmigkeit der Mutter“, schreibt der Pfarrer im Ruhestand. Das Pfarrerehepaar, das mittlerweile in Heidelberg lebt, hat die Tradition fortgesetzt, auch aus Interesse an dem Sonntagsblatt selbst. Geistliche Impulse zu den Sonntagen, Nachrichten aus der Landeskirche und der katholischen Welt – das ist Manfred und Marlene Bender wichtig.

Und nicht nur ihnen. „Dass immer auch der Ökumene – weltweit und vor Ort – Aufmerksamkeit geschenkt wird, empfinde ich als besonders bereichernd“, formuliert es der ehemalige pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad. Landeskirchliche, regionale und lokale Ereignisse: Der KIRCHENBOTE repräsentiere die Vielfalt und Ausstrahlungskraft der Landeskirche.

Diese Vielfalt ist für manch einen Ideenbörse. „Ich lese gerne die Andachten von anderen Kolleginnen und Kollegen“, sagt Pfarrerin Silke Gundacker aus Rieschweiler. Inspirierend seien die Zugänge zu Predigttexten. Aber auch, wie eine Kirchengemeinde das Fundraising für die neue Orgel stemme, stehe nicht für sich allein: Der Artikel könne Ansporn sein, es ähnlich zu versuchen, so Gundacker. Die KIRCHENBOTE-Beilage zum Unionsjubiläum 2018 hat sie sich ausgeschnitten und aufgehoben. „Gut zusammengefasste Kirchengeschichte.“ Etwa für ihre Schüler.

Auch für Michael Garthe, Chefredakteur der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“, ist der KIRCHENBOTE mehr als reine Information über kirchliches Leben in der Landeskirche. „Ideenspender und Anregung für eigene Artikel und Meinungsbeiträge zum christlichen Glauben und zu den Kirchen“, das sei das Blatt für ihn, erklärt er: „Weit mehr als Pflichtlektüre.“ So begleitet ihn das Sonntagsblatt seit 28 Jahren, dem Beginn seiner Arbeit als Chefredakteur.

„Der KIRCHENBOTE gehört dazu“, versichern immer wieder Leser. Einige kennen ihn seit ihrer Kindheit, weil die Eltern ihn lasen. Irgendwann lasen sie selbst – und blickten wie die heutige Landessynodale Dorothea Wölfling „über den Pirmasenser Tellerrand“. Einen Querschnitt des kirchlichen Lebens in der Pfalz abzubilden, eine Zusammenfassung dessen zu liefern, was in der Landeskirche die Menschen bewegt: Dies trauen viele Leser dem Sonntagsblatt für die Pfalz zu, etwa Gabriele Stüber, Leiterin des Zentralarchivs der Landeskirche, oder Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald.

Stüber, die den KIRCHENBOTEN „nicht nur aus dienstlichen Gründen“ liest, freut sich über die Bildbetrachtungen auf der letzten Seite. Ja, die Zeitung will nicht nur informieren. Sie lädt zum Nachdenken ein, zum Meditieren, zum Hinterfragen vielleicht auch dessen, was den eigenen Glauben ausmacht. Sie bezieht Position – und lässt andere Positionen zu. Dabei nimmt sie auf aktuelle Themen Bezug. Das schätzt Regina Meyer-Oelrich, Landessynodale aus Winnweiler ganz besonders. Genauso, wenn die Menschen, die Kirche gestalten, im Blatt gewürdigt werden.

Steinbruch für Ideen, Inspiration, Denkanstoß, Lesestoff, kirchliches Nachrichtenblatt: Was Leserinnen und Leser am KIRCHENBOTEN so schätzen, versuchen wir für Sie zu sein. Erwartbar wollen wir dabei nicht sein. Und dennoch werden Sie hoffentlich immer etwas darin finden, was Ihnen ein Stück Heimat ist – kirchliche Heimat.

Florian Riesterer, KIRCHENBOTE

Gute Gründe für die Publizistik

Die Kirchen werden ärmer. Das hat Folgen für alle Arbeitsbereiche. Zukünftig wird jeder Euro, der nicht für die Arbeit in den Kirchengemeinden ausgegeben wird, gut begründet sein müssen. Die Kirchengemeinden sind der Pflanzgrund des Glaubens. Alles andere können andere auch: gute soziale Arbeit, gute Bildungsarbeit, gute Friedensarbeit – oder eben guten Journalismus.

Im Wesentlichen sind es drei Gründe, weshalb Kirche die Publizistik braucht. Da ist zunächst die gesellschaftliche Relevanz von Kirche. Mit der Zahl ihrer Mitglieder sinkt diese zwangsläufig. Denn für die Medien und die Politik nimmt die Bedeutung von Kirche ab, je weniger Menschen (sprich: Abonnenten, Hörerinnen oder Wähler und Wählerinnen) sie repräsentiert.

Wenn also Medien und Öffentlichkeit nicht von sich aus nach kirchlichen Themen fragen und gegen die Verlautbarungen ihrer Öffentlichkeitsarbeit immer immuner werden, bedarf es umso mehr der professionellen Publizistik. Handwerklich gut gemachter Journalismus hat via Nachrichtenagentur und gedruckter oder digitaler Publikation die Chance, in Redaktionen und bei relevanten gesellschaftlichen Gruppen wahrgenommen zu werden. Interessante Geschichten, kluge Hintergründe und verständliche Erklärstücke finden ihre Adressaten auch heute noch. Zudem schwindet in den Redaktionen analog zur Gesellschaft das Wissen über Kirche, weshalb verantwortungsvolle Journalisten gerne auf die Kompetenz unabhängiger kirchlicher Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen. Die Kirche bleibt durch ihre Publizistik im gesellschaftlichen Diskurs hörbar.

Der zweite und womöglich wichtigste Grund für gute evangelische Publizistik ist der Zusammenhalt der Kirche. Die Kirchengemeinden schrumpfen, der Gottesdienstbesuch geht zurück, und jenseits der Kirchenmusik sind immer weniger Menschen ehrenamtlich in der Kirche engagiert. Viele Ehrenamtliche und auch Hauptamtliche sind frustriert, weil sie den Eindruck haben, hilflos dem Verfall der Institution zusehen zu müssen. Je weniger Mitglieder und Hauptamtliche die Kirche hat, umso mehr werden die Aktiven den Eindruck haben, dass sie immer isolierter sind. Damit die verbleibenden kirchlichen Biotope nicht nach und nach austrocknen, müssen sie vernetzt bleiben. Versuche, dies mit jährlicher Post der Kirchenleitung oder mit gelegentlichen Broschüren zu erreichen, sind zum Scheitern verurteilt. Denn sie bieten keine Chance zur Reaktion, zum Austausch, zur Debatte. Außerdem stehen sie im latenten Verdacht, dass die „da oben“ denen „da unten“ mal wieder zeigen wollen, wo’s langgeht.

Eine regelmäßige und unabhängige evangelische Publikation hat die Chance, ein einendes Band für die Landeskirche zu sein. Immerhin erreicht der KIRCHENBOTE in der Pfalz und der Saarpfalz wöchentlich mehr Menschen als die Sonntagsgottesdienste. Die Kirchenzeitung (oder ein entsprechender Ersatz) verbindet an Kirche interessierte Menschen, bringt sie mit Andachten und biblischen Inhalten in Kontakt. Sie ist Diskussionsort und professionell gemachte Informationsplattform. Damit dient sie der innerkirchlichen Meinungsbildung und der innerkirchlichen Demokratie. Bereits vor Jahren sagte der ehemalige badische Landesbischof Ulrich Fischer, dass es ein großer Fehler in der badischen Landeskirche gewesen sei, die Kirchenzeitung einzustellen. Die Identität seiner Kirche habe darunter stark gelitten.

Ein dritter Grund für die kirchliche Publizistik ist die Sorge um das gesellschaftliche Klima. Der Ton in öffentlichen Debatten wird rauer, wenn nicht gar brutaler. Vor allem in den sogenannten sozialen Medien, aber auch in der Politik findet eine erschreckende sprachliche Enthemmung statt. Hasstiraden, Shitstorms, ehrabschneidende und menschenverachtende Äußerungen sind keine Ausnahmen mehr, sondern tägliche Realität. Das vernichtet eine humane Gesellschaft.

Weder die Kirche noch ihre Publizistik sind Moralagenturen. Aber es gehört zum Wesenskern der Publizistik, dass sie nicht skandalisiert, dass sie mit Menschen wertschätzend umgeht, und dass sie lösungsorientiert und nicht konfliktfixiert berichtet. Außerdem hält sie Themen im Gespräch, die angesichts der Vorherrschaft von Wirtschaft, Kriminalität, Katastrophen, Krieg und Terror in der täglichen Berichterstattung zu verschwinden drohen: Soziales, Kultur, Dritte Welt, Bildung, Bewahrung der Schöpfung und kirchliches Leben. Die evangelische Publizistik leistet einen Beitrag, Debatten in einer zerrissenen Gesellschaft zu versachlichen, Zusammenhalt zu stärken und den Schwachen eine Stimme zu geben. Das christliche Menschenbild wird so in der öffentlichen Kommunikation deutlich.

Klaus Koch, epd

Von Gutenberg zu Zuckerberg

Die Digitalisierung ist eines der beherrschenden Themen unserer Zeit – unser Alltag ist geprägt von den Mitteln der modernen Kommunikation: Wir telefonieren überall miteinander, nutzen Navigationsgeräte, um an unser Ziel zu gelangen, streamen Filme, statt ins Kino zu gehen und kaufen nicht mehr beim Geschäft um die Ecke, sondern bei großen Anbietern im Netz ein. Auch unsere Nachrichten beziehen wir immer öfter aus dem Internet, klassische Medien wie Zeitung oder Fernsehen verlieren an Auflage und Zuschauern. „Die neuen digitalen Kommunikationstechnologien verändern die Strukturen unserer Welt in einer Weise, die wir noch gar nicht absehen können“, beschreibt es die evangelische Theologin und Publizistin Johanna Haberer in ihrem Buch „Digitale Theologie. Gott und die Medienrevolution der Gegenwart“.

Kommunikationswissenschaftler sehen in der Digitalisierung die vierte Medienrevolution: Die erste war die Entwicklung der Sprache, die es ermöglichte, Informationen direkt an jemand anderen weiterzugeben. Als zweite kam die Erfindung der Schrift vor rund 6000 Jahren. Jetzt konnte Wissen unabhängig von direkter Kommunikation weitergegeben werden. Die Erfindung des Mainzers Johannes Gutenberg – der Buchdruck mit beweglichen Lettern – revolutionierte ab 1450 diese Weitergabe von Erfahrungen und Erlerntem und gilt deshalb als dritte Medienrevolution. Statt fehleranfälliger und zeitaufwändiger Abschrift des Originals durch Kopisten waren jetzt exakte Kopien in immer höherer Auflage zu günstigen Preisen möglich: Druckerzeugnisse wurden zum ersten Massenmedium.

Die Auswirkungen waren gewaltig: Ein größeres Angebot an Printerzeugnissen führte über die sich ausbreitende Alphabetisierung zu höherer Bildung – und dadurch zur Aufklärung und zur Demokratisierung, denn informierte Bürger wollen Mitsprache. Luthers Bibelübersetzung wird dank des Buchdrucks zum ersten Bestseller – und prägt noch heute die deutsche Sprache. Und ohne den Buchdruck keine Flugschriften, die wesentlich zum Erfolg der Reformation beitrugen.

Heute leben wir mitten in der vierten Medienrevolution: Was noch vor 60 Jahren in Science-Fiction-Serien als Wissenschaft von übermorgen dargestellt wurde, ist heute Realität: Auf unsere Smartphones wäre die Besatzung des Raumschiffs Enterprise richtig neidisch. Wissen steht uns dank des Internets jederzeit und überall zur Verfügung.

Was zu Luthers Zeiten die Flugschriften waren, sind heute die sozialen Medien: Eine Umwälzung wie die Reformation würde heute befeuert durch Zuckerbergs Facebook, durch Instagram oder Youtube. Martin Luther hätte wohl einen Twitter-Account, auf dem er seine Botschaft verbreiten würde.

Fraglich ist dabei, ob er es schaffen würde, seine Filterblase zu durchbrechen: Basierend auf den über den Nutzer gesammelten Daten schlagen die Algorithmen der sozialen Netzwerke ihm ähnliche Informationen vor zur weiteren Betrachtung. Abweichende Meinungen oder Richtigkeit der Texte spielen dabei keine Rolle.
Hier liegt die große Gefahr der Digitalisierung: Jede Medienrevolution hat ein Mehr an Möglichkeiten geschaffen. Die Menge an Informationen, die uns heute zur Verfügung stehen, ist kaum zu überschauen. Und in einem Medium, in dem jeder zum Publizisten werden kann, ist die Wahrheit einer Nachricht für viele kaum überprüfbar. Es braucht Medienschaffende, die verlässliche Nachrichten verbreiten und sie in Kommentaren einordnen, damit Leser sich eine eigene faktenbasierte Meinung bilden können.

Der KIRCHENBOTE hat bereits frühzeitig erste digitale Angebote geschaffen: ab 1998 als Leseproben auf der Homepage der pfälzischen Landeskirche, von 2005 an mit eigener Homepage, die inzwischen mehrfach überarbeitet wurde. Eine Facebook-Seite und ein wöchentlicher Newsletter ergänzen seit fast zehn Jahren diese Angebote. Abonnenten können sich seit Ende 2019 zwischen dem klassischen, gedruckten KIRCHENBOTEN und der komplett digitalen ePaper-Ausgabe entscheiden.

Doch der digitale Wandel ist noch nicht abgeschlossen: Immer höhere Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen immer neue Angebote. Statt kleiner Bilder Videos in bester Auflösung, statt eines linearen Programms, das ein Fernsehsender anbietet, stellt sich der Nutzer interaktiv sein eigenes Programm zusammen: Er schaut per Streaming, was er will, wann er will und auch wo er will. Wohin führt der Weg? Das ist heute ebenso wenig absehbar wie der Entwicklungssprung vom Handy zum Smartphone vor rund 15 Jahren.

Jochen Krümpelmann, emd

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175 Jahre Evangelischer Kirchenbote: Titelblatt der ersten Ausgabe vom 3. Oktober 1846 (links) und Cover der Jubiläumsbeilage. Bild: KB
175 Jahre Evangelischer Kirchenbote: Titelblatt der ersten Ausgabe vom 3. Oktober 1846 (links) und Cover der Jubiläumsbeilage. Bild: KB

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